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Zephalgie
(Cephalaea)
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Eine Zephalgie (Kop fschmerz) ist in besonderem Maße geeignet, das körperliche Allgemeinbefinden beträchtlich zu stören. Diagnostik und Therapie einer Zephalgie (Cephalaea) werden allerdings durch die Vielzahl möglicher Ursachen erschwert, hinzu kommt, daß das Beschwerdebild nicht einheitlich ist, sondern in den verschiedensten Variationen auftritt. Von eminenter Bedeutung ist deshalb bei Kop fschmerzen eine genaue Anamnese
(= Erhebung der Vorgeschichte). Diese erlaubt nicht nur eine exakte Klassifikation (= Bestimmung der Kopfschmerzart), sondern kann Hinweise auf mögliche organische Ursachen geben und ist dann richtungsweisend für weiterführende Untersuchungen. Es empfiehlt sich, auch bei Patienten mit einer Zephalgie einen standardisierten Fragebogen zu verwenden, um möglichst alle Kriterien zu erfassen. Lokalisation, Dauer und Häufigkeit von Kop fschmerzen sowie Angaben zur Schmerzqualität sind genau zu erfragen. Für die Therapie kann die Kenntnis spezifischer Auslösesituationen oder- mechanismen von großem Wert sein. Dazu gehört auch die Frage nach bisherigen erfolglosen Therapieversuchen. Der Patient ist zu Recht enttäuscht, wenn ihm Methoden, die ihm bisher keine Erleichterung brachten, noch einmal angeboten werden.Systematik (= Einteilung) der Zepha lgien (Kop fschmerzen):
| 1. Pri märe Zephalgie (Cephalaea) | |
| 1.1 M igräne | |
| - ohne Aura | |
| - mit Aura | |
| - andere Kop fschmerz -Formen | |
| 1.2 Clusterkop fschmerz | |
| 1.3 Primärer Kop fschmerz, der weder dem M igräne- | |
| noch dem Clusterkop fschmerz zuzuordnen ist: | |
| - Spannungskop fschmerz | |
| - vertebragener Kop fschmerz | |
| - Okzipitalneuralg ie | |
| - Hemicran ia continua | |
| - Raede r-Syndrom | |
| - Neck-ton gue-Syndrom | |
| 2. Sekundä re oder symptoma tische Zephalgie (Cephalaea) | |
| - Kop fschmerz als (zunächst) einziges Symptom | |
| - Kop fschmerz als Begleitsymptom | |
| 3. Kombinationskop fschmerzen | |
| - M igräne und Spannungskop fschmerz | |
| - M igräne und Schmerzmittel/Ergotamin- Kop fschmerz | |
| - Spannungs- und Schmerzmittelkop fschmerz | |
| - andere Kombinationen |
1. Pri märe Zephalgie (Cephalaea):
Dieser Begriff bezeichnet Kop fschmerzen, die nicht als Krankheitszeichen auf eine faßbare organische oder psychische Grundkrankheit zurückzuführen sind. Sie gelten als eigenständige Schmerzkrankheiten, die im Gegensatz zum symptomatischen (= als Folge einer bekannten Krankheit auftretender) Kop fschmerz nicht kausal (= ursächlich, gegen die Grundkrankheit gerichtet) behandelt werden können (Soyka 1989).
1.1 M igräne:
Bei der M igräne treten in typischer Weise
anfallsartige, bevorzugt halbseitige Kop fschmerzen (Hemikranie) auf, begleitet
von Übelkeit bis hin zu Erbrechen, Lärm- und Lichtempfindlichkeit. Darüber
hinaus kann es zu Nerven- und Sehstörungen kommen. Fast regelmäßig wird die
Schmerzqualität als pulsierend, pochend und hämmernd angegeben. Ätiologie (=
Krankheitsursache) und Pathogenese (=
Krankheitsentwicklung) sind letztlich noch nicht
sicher geklärt. Nach der IHS-Klassifikation von 1988 gibt es hauptsächlich
zwei Gruppen: M igräne mit und ohne Aura. Die frühere Einteilung in
einfache, klassische und komplizierte M igräne wurde aufgegeben.
Die einzelnen Migräne -Typen (IHS-codierte Klassifikation )(Göbel 1994) sind:
|
M igräne ohne Aura |
|
M igräne mit Aura |
|
M igräne mit typischer Aura |
|
M igräne mit prolongierter Aura |
|
Familiäre hemiplegische Aura |
|
Basilaris- M igräne |
|
M igräneaura ohne Kop fschmerz |
|
M igräne mit akutem Aurabeginn |
|
Ophthalmoplegische M igräne |
|
Retinale M igräne |
|
Periodische Syndrome in der Kindheit als möglicher |
|
Vorläufer oder Begleiterscheinungen einer M igräne |
|
Gutartiger paroxysmaler Schwindel in der Kindheit |
|
Alternierende Hemiplegie in der Kindheit |
|
M igräne -Komplikationen: |
|
Status m igraenosus |
|
M igränöser Infarkt |
|
Migräneartige Störungen, die die genannten Kriterien nicht erfüllen |
Die genaue Klassifikation der M igräne -Kopfschmerzarten ist manchmal nicht ganz einfach, weshalb nachstehend einige Erläuterungen folgen:
Als typische Anfangssymptome einer M igräne (Aura) gelten
Sehstörungen, (halbseitige) sensible und motorische
(= Bewegungs-) Störungen sowie Dysphasie
(= Sprachausdrucksstörungen).
Die Krankheitszeichen entwickeln sich i.d.R. über einen Zeitraum von fünf bis
30 Minuten und klingen innerhalb einer Stunde wieder völlig ab.
Eine M igräne
mit prolongierter (=
verlängerter) Aura
liegt dann vor, wenn zumindest ein typisches Symptom länger als 60 Minuten und
weniger als eine Woche anhält.
Bei der familiären hemiplegischen
(= mit einer Halbsei tenlähmung
einhergehenden) M igräne
besteht bei mindestens einem Verwandten (1. Grad) das gleiche Krankheitszeichen.
Bei der Basila ris-
M igräne gehen die
Kop fschmerzen mit Krankheitszeichen
des Gehirns einher (z.B. Schwerhörigkeit, Doppelsehen, sensible oder motorische
Störungen, Schwindel).
Nach Göbel (1994) ist es umstritten, ob die Kop fschmerzen bei der ophthalmoplegische
M igräne
(Schmerza ttacken, die
mit einer Lähmung der Augenmuskeln einhergehen) überhaupt der M igräne
zugeordnet werden können.
Gleiches gilt für die periodischen Syndrome in
der Kindheit (anfallsartiger Schwindel und abwechselnde Halbseiten lähmung,
in Verbindung mit Störungen der Hautempfindlichkeit oder Beweglichkeit sowie
vegetativen Krankheitszeichen, möglicherweise sind diese Erscheinungen
epileptiformer (=
fallsuchtartiger) Natur).
Bei der "kindlichen M igräne" können auch Ba uchschmerzen
mit Übelkeit bis hin zu
Erbrechen auftreten, gelegentlich auch ein Temperaturanstieg, ohne daß Kop fschmerzen
vorliegen.
Bei der retinalen M igräne sind die Kop fschmerzen von
einem einseitigen Gesichtsfeldausfall oder gar Erblindung begleitet, was bis zu
einer Stunde anhalten kann.
Als M igräne -Komplikation ist der Status
m igraenosus zu nennen, gekennzeichnet durch eine Dauer der Kop fschmerzen von
mehr als 72 Stunden Dauer, trotz Behandlung. Eine weitere Komplikation ist der m igränöse
Infarkt. Dieser liegt vor, wenn ein ischäm ischer
(= durch Blutmangel bedingter) Infa rkt
nachweisbar ist, oder die Aurasymptomatik (=
anfängliche Krankheitszeichen einer Mi gräne)
nicht innerhalb von 7 Tagen völlig abklingt.
Therapie der M igräne -Kop fschmerzen: Zunächst muß der Patient eingehend über die M igräne -Erkrankung aufgeklärt und über die Behandlungsmöglichkeiten informiert werden. Auf anamnestisch (= aus der Vorgeschichte) eruierte auslösende Faktoren (z.B. Schokolade, Käse, Rotwein) sollte besonders eingegangen werden. Hinweise auf eine vernünftige Lebensweise sind hilfreich, so z.B. regelmäßige Ruhezeiten, maßvolle körperliche Aktivitäten, möglichst Verzicht auf Alkohol und Nikotin und Vermeidung von Streßsituationen.
Therapie des akuten M igräne -Anfalls: Ganz wichtig ist der Hinweis,
daß Analgetika (= Schmerzmittel)
möglichst frühzeitig einzunehmen sind, d.h., der Patient darf nicht abwarten,
bis das Vollbild des Migränekopfschmerzes eingetreten ist, sondern die
Medikamenteneinnahme soll schon bei den ersten Anzeichen erfolgen. Als Mittel
der ersten Wahl gilt noch immer die Einnahme von Acetylsalicylsäure
(ASS)(z.B.
Aspirinâ ) 1-1,5 g. Bei ungenügender Wirkung von
ASS empfiehlt sich ein Versuch mit Paracetamol (z.B. ben-u-ronâ
), 1-1,5 g (in Form von Tbl., Saft oder Zäpfchen). Nichtsteroidale
Antirheumatika (z.B. Naproxen, Diclofenac, Ibuprofen) sind gegen M igräne ebenso
wirksam wie ASS bei vergleichbarer oder geringerer Nebenwirkungsrate. Bewährt
hat sich bei stärkeren M igräne -Kop fschmerzen auch die Kombination von 1g ASS
mit 1g Paracetamol. Auch ein Therapieversuch mit Metamizol (z.B. Novalginâ
) ist manchmal lohnend.
Ein potentes Therapeutikum bei M igräne
ist der Serotoninagonist (= Mittel, das
dem Gewebshormon Serotonin entgegenwirkt) Sumatriptan
(Imigran®). Initiale Dosierung : 100mg zum Einnehmen oder 6mg unter die Haut
gespitzt. Bei Wiederauftreten von Kop fschmerzen maximal zwei Verabreichungen in
24 Std. Häufiger wurde über ernstzunehmende Nebenwirkungen berichtet, auch in
den Medien. Bei Beachtung der Anwendungsbeschränkungen kann das Verhältnis von
Wirksamkeit und Verträglichkeit jedoch als günstig angesehen werden (Tfelt-Hansen
1993). Wegen des relativ hohen Preises dürfte Sumatriptan (gilt auch für
andere Triptane) allerdings erst dann zum Einsatz kommen, wenn andere M igräne
-Mittel nicht den gewünschten Erfolg bringen.
Zwischenzeitlich gibt es weitere Triptane: Zolmitriptan (AscoTop 2,5®,) Naratriptan (Naramig®),
Rizatriptan (Maxalt®), Almotriptan (Almogran®), Frovatriptan
(Allegro®) und seit 2002 Eletriptan
(Relpax®).
Ergotaminpräparate sind klassische
Pharmaka zur Kupierung eines Migräneanfalls, wegen der möglichen
Nebenwirkungen jedoch nicht ganz unproblematisch. Die Gefahr einer Gewöhnung
und Auslösung eines zusätzlichen Dauerkopfschmerzes steigt mit zunehmender
Einnahmehäufigkeit. Aus diesem Grunde sollten pro Woche nicht mehr als 6mg
Ergotamintartrat und pro Migräneat tacke nicht mehr als 4mg eingenommen werden
(Göbel, Ensink et. Soyka 1994).
Grundsätzlich gilt auch hier,
daß beim Migränekop fschmerz die Verwendung von Mischpräparaten (z.B.
Ergotamintartrat mit Koffein oder Prophyphenazon, Codein, Paracetamol usw.)
strikt vermieden werden soll. Auf dieser Therapiestufe kann auch
Dihydroergotamin (Hydergin®) i.m. (= in den Muskel) oder ganz langsam
i.v.
(= in eine Blutader) versucht werden
(1-1,5mg).
Besonders bei ausgeprägten vegetativen M igräne
-Begleiterscheinungen hat sich die zusätzliche Gabe von 1-2 mg Flunitrazepam (Rohypnol®)
(= ein Schlafmittel)
sehr bewährt, auch unter dem Aspekt, Schmerzmittel einzusparen, zumal die
Patienten in dieser Situation ohnehin das Bedürfnis haben, sich hinzulegen.
Werden die Migränekop fschmerzen von Nausea (=
Übelkeit, Brechreiz) und Erbrechen begleitet
(evtl. auch schon vor dem erwarteten Auftreten dieser Symptome), ist die
Verabreichung von Metoclopramid (Paspertin®) sehr wirksam, zum Einnehmen
oder als Zäpfchen bis zu 20mg, i.m. oder i.v. 10mg. Metoclopramid sollte nicht
an Kinder unter 10 Jahren verabreicht werden. Es ist vorteilhaft, diese Substanz
vor einem Analgetikum
(= Schmerzmittel)
einzunehmen, weil Metoclopramid die Darmtätigkeit steigert und somit die
Resorption (= Aufnahme im Darm)
weiterer verabreichter Substanzen fördert. Alternativ kann auch der
Dopamin-Antagonist Domperidon (Motilium®) verwendet werden, Tabletten oder
Tropfen bis zu 30mg.
Unter stationären Bedingungen, denkbar auch in einem
separaten Raum innerhalb einer Praxis, hat sich bei M igräne die Verabreichung
einer Infusion (500ml Kochsalzlösung) mit 1g ASS (Aspisol®) kombiniert mit
10mg Metoclopramid (z.B. Paspertin®) und 1-2mg Flunitrazepam (z.B. Rohypnol®)
sehr bewährt, bei einem heftigen Schmerz zusätzlich 50-100mg Tramadol (z.B. Tramal®).
Die
therapeutische
Lokalanästhesie
(=
Betäubung
bzw. Behan dlung
mit einem örtlichen
Betäubungsmittel)
ist im bereits voll entwickelten akuten Migränean fall wenig hilfreich.
Allerdings kann bei frühzeitiger Durchführung die Symptomatik in vielen
Fällen abgeschwächt werden, so daß oftmals Analgetika (=
Schmerzmittel) gar nicht oder in weit geringerer
Dosierung als sonst üblich eingenommen werden müssen.
Wir blockieren
vorzugsweise mit Bupivacain 0,5% die Nerven supraorbitales (=
Nerven an der Augenbraue) (je ca. 0,5ml),
occipitales major (= Ner ven am Hinterkop f) (je ca. 1ml) und minor (je ca. 0,5-1 ml) und infiltrieren die
Schläfenregion beiderseits (je ca. 1-2ml). Obwohl die Migränekop fschmerzen
meist nur einseitig auftreten, hat es sich bewährt, diese Behandlung nicht
nur auf die aktuell betroffene Kopfhälfte zu beschränken.
Wenn heftige Mig räneanfälle gehäuft (mehrmals pro Woche) auftreten, sind im Rahmen einer
stationären Behandlung schmerzseitige Blockaden
(= Betäubungen) des Gang l ion stel latum
(= eine vegetative Schaltstelle im seitlichen Halsbereich)
in engmaschiger Abfolge sehr hilfreich.
Arten die Kop fschmerzen in einen Status mig raenosus
(= länger als 72h anhaltender Migränean fall)
aus, so ist dies eine Indikation (= Anzeige) zur stationären Aufnahme.
Bewährt hat sich
die mehrmalige (2-3x in 24 Std.) Verabreichung von 1-2mg Flunitrazepam (z.B.
Rohypnol®), initial zusammen mit 40mg Prothipendyl (z.B. Dominal forte®),
sowie eine Tropfinfusion mit 100 mg Tramadol, 1g Aspisol® und 10-20mg
Metoclopramid. Bei anhaltendem Erbrechen sollte mit der Gabe von
Dehydrobenzperidol (z.B. 2,5 mg i.m.) nicht gezögert werden.
Allgemeinmaßnahmen
im Migränean fall bestehen in Reizabschirmung (ruhiges und verdunkeltes Zimmer).
Prophylaktische (=
vorbeugende) Therapie der Migränekop fschmerzen:
Nicht immer sind die Patienten bereit, auch im
schmerzfreien Intervall konsequent Medikamente einzunehmen, so daß oftmals eine
ausführliche Aufklärung erforderlich ist. Eine M igräne -Vorbeugung sollte nur
dann erfolgen, wenn die Migräneat tacken mindestens zwei mal pro Monat
auftreten. Nach Göbel und Soyka (1994) ist die Indikation auch
gegeben, wenn im bisherigen Verlauf mindestens zweimal ein Status mig raenosus,
eine prolongierte (= verlängerte)
Aura oder einmalig ein mig ränöser Infa rkt
(=
Gewebszerstörung in bestimmten Hirnbereichen infolge von Sauerstoffmangel)
aufgetreten sind.
Als Mittel der ersten Wahl gelten Beta-Rezeptorenblocker
(= eigentlich Blutdruckmittel, die aber auch gegen Mi gräne
wirken).
Allerdings haben nicht alle Substanzen aus dieser Gruppe eine vorbeugende
Wirkung auf die M igräne. Relativ sicher wirken Propanolol und Metoprolol (Diener
1989); beide Substanzen werden langsam einschleichend dosiert. Die tägliche
Höchstdosierung für Metoprolol (z.B. Beloc®) beträgt 200mg, für Propanolol
(z.B. Dociton®) 240mg. Bei Ausbildung nicht tolerierbarer orthostatischer
(= den Kreislauf betreffende)
Störungen oder einer Bradykardie (=
zu langsamer Puls) muß die Behandlung abgebrochen
werden (ausschleichend). In der Einschleichphase müssen daher regelmäßige
Puls- und Blutdruckkontrollen durchgeführt werden. Die Wirkungsweise der
Beta-Blocker in Bezug auf den Migränekop fschmerz ist noch nicht sicher
bekannt.
Zur Intervalltherapie des Migränekopfschmerzes eignen sich auch Kalzium-Antagonisten
(= ein Mittel das der Wirkung von
Kalzium entgegenwirkt). Flunarizin (Sibelium®)
sollte aufgrund einer Bewertung durch das Bundesgesundheitsamt nur bei Patienten
eingesetzt werden, die unter häufigen und schweren M igräne -An fällen leiden
und bei denen eine Behandlung mit Beta-Blockern kontraindiziert (=
gegenangezeigt) ist bzw. keine ausreichende
Wirkung gezeigt hat. Nach einer Studie hat sich Cyclandelat (Natil®) zur
Prophylaxe nicht bewährt.
Eine weitere Prophylaxemöglichkeit (3. Wahl) des
Migränekopfschmerzes besteht in der Verabreichung von Serotonin-Antagonisten
(= Mittel, die dem Gewebshormon
Serotonin entgegenwirken). Pizotifen
(Sandomigran®) hat einen hemmenden
Effekt auf die Serotonin-Freisetzung im Anfangsstadium der M igräne. Lisurid (Cuvalit®),
ein Ergota min
-Derivat, ist ein Serotonin -Partialantagonist. Die Tagesdosis
beträgt 0,075 mg. Im Gegensatz zu anderen Autoren (Soyka 1989) wird
diese Substanz bei uns kaum verwendet, da bisherige Therapieversuche nicht
überzeugt haben.
Zur Prophylaxe der Kop fschmerzen bei der sog. menstruellen (=
regelbedingten) M igräne
soll Sulpirid (Dogmatil®) hilfreich sein (Thoden 1986). Göbel und
Soyka (1994) empfehlen eine "Kurzzeitprophylaxe" mit 250-500 mg
Naproxen, vier Tage vor der erwarteten Regel bis drei Tage danach.
Das Derivat
der Lysergsäure, Dihydroergotamin (Hydergin®) ist zur Vorbeugung des Migränekop fschmerzes umstritten. So wird es z.B. in anglo-amerikanischen Ländern
dafür nicht verwendet.
Zur Mig räne-Vor beugung soll auch das Antiepileptikum (=
Mittel gegen die Fallsucht) Gabapentin (Neurontin®) eingesetzt werden können.
Wenn die Anfälle gehäuft (z.B. mehrmals pro Woche) auftreten und andere
vorbeugende Medikamente (z.B. Beta-Blocker) nicht greifen, ist nach unserer
Erfahrung beim Migränekop fschmerz auch die therapeutische
Lokalanästhesie
(=
Betäubung
bzw. Behan dlung
mit einem örtlichen
Betäubungsmittel)
lohnend, besonders wenn sie
über 2-3 Wochen unter stationären Bedingungen 2x täglich konsequent
durchgeführt wird (Leeser et Hefermann, Schmerzklinik Bad
Mergentheim 1990). Dabei betäuben
wir, wie zur Akutbehandlung schon beschrieben, die das Kranium
(= den knöchernen Schädel)
versorgenden Nerven an ihren Austrittspunkten. Ergänzt wird die Behandlung
durch tiefe Infiltration der oft verspannten, an die Halswir belsäule
angrenzenden Mus kulatur.
Die Wirkungsweise dieser Therapie ist beim Migränekop fschmerz nicht geklärt, vermutlich kommt es zu einer tiefgreifenden
neurovegetativen Umstimmung.
Diese Wirkungsvorstellung ähnelt sehr dem
neuraltherapeutischen Konzept, allerdings mit dem Unterschied, daß statt
Procain das langwirkende örtliche Betäubungsmittel Bupivacain verwendet wird.
Ergänzende Methoden zur M igränetherapie:
Meist werden die
folgenden Methoden ergänzend eingesetzt, d.h. als Monotherapie (=
alleinige Behandlung) ist die Wirkung in der M igränebehandlung in der Regel nicht ausreichend.
Eine der klassischen
Indikationen für die Akupunktur sind
Kop fschmerzen. Zur Behandlung des
Migränekopfschmerzes dominieren Nadelpunkte auf dem Gallenblasen-Meridian, so
z.B. die Punkte 3, 17, 40 und 43, zusätzlich das Lenkergefäß 25 in der Mitte
der Nasenwurzel (Kossmann et al. 1986). Es sei darauf hingewiesen, daß
auch für die Behandlung der M igräne mit Akupunktur (noch) keine
wissenschaftlich exakten Ergebnisnachweise vorliegen.
Die transkutane
Nervenstimulation mittels Niederfrequenzgenerator über Klebeelektroden (TENS)
kann beim Mig ränekop fschmerz, wenn sie bei den ersten Anzeichen einer
At tacke
durchgeführt wird, durchaus eine Linderung der Beschwerden herbeiführen,
manchmal sogar den Ausbruch einer At tacke verhindern.
Bei vielen Mig ränekopfschmerz-Patienten fällt auf, daß auch im schmerzfreien Intervall die an die
Halswir belsäule angrenzende
Mus kulatur, teilweise auch die Schultermuskulatur
verspannt ist. In diesen Fällen hat sich die Verordnung von physikalischen
Therapiemaßnahmen (Fango, Massagen, Kältebehandlung) und Krankengymnastik
als ergänzende Behand lung
bewährt. Manchmal kann bei Mig ränekopfschmerz
auch durch eine manuelle
Lymphdrainage im Kop f-/Halsbereich eine deutliche Linderung erzielt werden.
Zu erwähnen wäre bei Mig räne auch die Hydrotherapie
in Form von Wechselbädern der Ext remitäten
(Ar me und B eine) und/ oder Kneippschen Güssen.
Wahrscheinlich beruht der oft zu beobachtende positive Effekt auf einer
neurovegetativen Umstimmung im Sinne eines ganzheitlichen Behandlungsansatzes.
Bewährt hat sich bei Mig räne auch
Biofeedback
(= Registrierung und Rückmeldung bioelektrischer Signale). Auch
psychologischen Interventionen können
einen Mig