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Schmerzklinik ist nach § 40 SGB V von allen gesetzlichen Krankenkassen als Rehabilitationseinrichtung anerkannt und auch beihilfefähig.

Sympathalgie (Sympathalgien)

Sympathalgie ist der Oberbegriff für Schmerzen, die durch eine Reizung des Sy mpathikus (= Teil des unwillkürlichen Nervensystems) entstehen. Die Sympathalgie wird häufiger auch als SMP bezeichnet (= sy mpathetically main tained pain). Die uneinheitliche Klassifikation spiegelt sich darin, daß nach Stanton-Hicks et al. neben der SMP-Form auch eine SIP-Variante (sy mpathetically independ ent pain) existieren soll.
Im schmerztherapeutischen Sinne gehört zu Gruppe der Sympathalgien auch das Komplexe regionale Schmerzsyndrom (CR PS*), unterteilt in zwei Subtypen:

  1. Typ I: Morbus Sudeck

  2. Typ II: Kausal gie (siehe unten)

1) In ausgeprägter Form liegt eine Sympathalgie (CR PS Typ I) beim Mor bus Sud eck vor.
Bei der Sudeck-Dystrophie (kom plexes reg ionales Schmerzsyndrom Ty
p I), auch als Sudecksche Dystrophie bezeichnet, liegt eine Algodystrophie (Algoneurodystrophie) (= schmerzhafte Organstörung) in ausgeprägter Form vor.
Ein
kom plexes reg ionales Schmerzsyndrom Ty p I kann nach jeder Arm - oder Bein verletzung auftreten, aber auch spontan (= von selbst, ohne erkennbare Ursache). Die Pathogenese (= Krankheitsentwicklung) ist unbekannt. Die Patienten klagen über diffuse und heftige Brennschmerzen, ähnlich wie bei einer Kausalg ie (= Schmerzen nach Nervenverletzungen).

Aufgrund der Zirkulationsstörung sind die betroffenen Partien meist rötlich/bläulich livide verfärbt und ödematös (= aufgequollen) verändert. Typisch ist auch die glänzende Haut. Beteiligte Gelenke versteifen oft und führen so zu einer Behinderung.
Die Art der Gewebsveränderung läßt an eine lokal begrenzte vegetative Entgleisung denken (Debrunner 1988). Besonders gravierend ist diese Krankheit im Bereich der Hand, weil sie dort häufig zur Invalidität führt.
Im Bereich der unteren Extremität (= Beine) tritt ein kom plexes reg ionales Schmerzsyndrom Ty p I bevorzugt im Bereich des Fuß es auf, seltener Knie oder Hüfte.

Bild aus der Klinik: 36-jährige Frau nach einem Sturz

Auf dem Röntgenbild sieht man eine ty pische, fleckige Osteoporose.

Als Schmerzmittel der ersten Wahl sind bei CR PS Gabapentin oder Pregabalin zu empfehlen, ansonsten können medikamentös Phenoxybenzamin und Calcitonin (= ein Gewebshormon) versucht werden.

Die konsequente Anwendung der therapeutischen Lokalanästhesie (= Behandlung mit einem örtlichen Betäubungsmittel bzw. Lokalanästhetika) führt bei diesem Schmerzsyndrom (komplexes, regionales) zu beachtlichen Erfolgen.
Für den Bereich der Arme haben sich engmaschig wiederholte Stellatumblockade
n (= Betäubung des Ganglion stellatum, eine vegetative Schaltstelle im seitlichen Halsbereich) bewährt ((auch als GLOA (= mit einem Opium-ähnlichen Medikament), Nachteil dieser Methode ist aber, daß kaum ein durchblutungsfördernder Effekt eintritt)), optimal in kontinuierlicher Form mit Katheter*.
Auch die kontinuierliche Blockade des Plexus brachialis mit Katheter* ist sehr hilfreich (und auch risikoärmer als Stellatumblockaden), zumal das Nervengeflecht des Armes reich an vegetativen Fasern ist, so daß es neben der erwünschten Hemmung der Nozizeption (= Schmerzreizleitung) auch zu einer Steigerung der Durchblu tung kommt und somit die gestörte Mikrozirkulation im Schmerzbereich optimiert wird, beim CR PS eine wichtige Voraussetzung dafür, daß die Schmerzlinderung auch über den Behandlungszeitraum hinaus anhält.

Im Bereich der Beine (einschließlich Hüften) kommen bei diesem Schmerzsyndrom ebenso kontinuierliche Blockadetechniken* zur Anwendung:

Auch die Ner ven femoral is und ischiad icus führen vegetative Fasern, so daß die erwünschte, sympathikolytische (= gefäßerweiternde und damit durchblutungssteigernde) Wirkung (Sympathikolyse) ebenfalls eintritt.

Diese Sympathalgie erfordert eine längerfristige Blockadebehandlung (mindestens 2 bis 3 Wochen), begleitend natürlich auch intensive physiotherapeutische Maßnahmen.

Daß serielle/kontinuierliche Nervenblockaden bei diesem Schmerzsyndrom sehr hilfreich sind, ist auch schon seit längerem in der Fachliteratur gut dokumentiert. Z.B. Lehmann, K.A.: postoperative Schmerztherapie, WVGmbH Stuttgart, 485-93 (1993). - Murray, P., Floor, K., Atkinson, R. E.: Continuous axillary brachial plexus blockade for reflex sympathetic dystrophy - Anaesthesia 50 (7), 633-5 (1955). - Ribbers, G.M., Geurts, A. C., Rijken, R. A., Kerkkamp, H. E.: Axillary brachial plexus blockade for the reflex sympathetic dystrophy syndrom.

Begleitend hat sich auch eine Infusionsserie mit Lidocain 2% (= ein mittellang wirkendes, örtliches Betäubungsmittel) als hilfreich erwiesen. Dabei werden unter Pulskontrolle (Monitor) in aufsteigender Dosierung jeweils 50, 100 u. 150 mg gelöst in 200 ml Kochsalz 0,9% mit Hilfe einer Infusionspumpe (z.B. Infusomat) innerhalb eine Stunde verabreicht, wobei sicherheitshalber ein Abstand von 24 Stunden zwischen den einzelnen Infusionen eingehalten werden sollte.

Man kann Lidocain auch serienmäßige mittels intraarterieller Injektionen (= Spritzen in eine Schlagader) in die A. femoralis (= Beinschlagader) oder A. brachialis (= Schlagader des Armes) verabreichen, so z.B. 2-3 mal täglich 1-1,5ml (= 20-30 mg) im Abstand von 8-12 Stunden über 10 Tage. Dabei gelangt das örtliche Betäubungsmittel in die sog. Endstrombahn und führt dort zu der gewünschten Gefäßerweiterung (Sympathi kolyse) bei gleichzeitiger Schmerzlinderung. Selbst wenn die Blutader nicht genau getroffen wird, tritt trotzdem eine gefäßerweiternde Wirkung ein, da um das Blutgefäß herum sympathische (= Teil des unwillkürliche Nervensystem betreffende) Nervenfasern verlaufen. So wird z.B. in der Neuraltherapie aus diesem Grunde bewußt um das Gefäß herum infiltriert.

Manche Autoren empfehlen sog. Sympathikus-Blockaden mit Guanethidin. Der Wirkstoff findet auch zur Behandlung eines Bluthochdrucks Verwendung. Der Wirkmechanismus beruht auf der Verminderung der Freisetzung des Botenstoffs Noradrenalin aus den Endigungen der Nervenzellen. Vorteil dieser intravenösen Blockademethode (= das Medikament wird in ein zum Herzen zurückführendes Gefäß eingespritzt, wobei aber z.B. der Arm vorübergehend abgestaut wird) ist, daß die Wirkung bis zu 72 Stunden anhalten kann. Nachteil ist das gegenüber den Nervenblockaden deutlich erhöhte Behandlungsrisiko.
Eine Wirksamkeit von peripheren intravenösen Guanethidinblockaden ist in einer Metaanalayse (= Zusammenfassung von Primär-Untersuchungen) allerdings nicht nachgewiesen.
Auch die deutsche Gesellschaft für Physikalische Medizin und Rehabilitation führt zur Behandlung Nervenblockaden mit Betäubungsmittel auf
(http://www.uni-duesseldorf.de/awmf/ll-na/036-006.htm).

Teilweise wird darüber hinaus die Gabe von Bisphosphonaten empfohlen (z.B. Varenna M, et al 2000). Medikamente aus dieser Gruppe werden u.a. auch zur Behandlung der Osteoporose verwendet. Aber: Die amerikanische Arzneimittelagentur FDA erinnert in einem Warnhinweis Ärzte daran, dass es unter der Therapie mit Bisphosphonaten zu schweren Schmerzen im Bewegung sapparat kommen kann. Die europäische Arzneimittelagentur EMEA überarbeitet derzeit die Sicherheitshinweise einmal zu den kardiovaskulären Risiken von Bisphosphonaten und dann zur Gefahr von Kiefer nekrosen. http://www.aerzteblatt.de/v4/news/newsdruck.asp?id=30986(Jan. 2008)
Bereits 2004 wurde die Wirkung von Bisphosphonate bei C
RPS I (Mor bus Sudec k) untersucht (Ruhr-Universität Bochum): Es zeigte sich weder eine Reduktion des Dauerschmerz es noch eine Verminderung der Schmerzattacken hinsichtlich Anzahl, Dauer und Intensität...... Die Schmerzreduktionen durch Bisphosphonate bei C RPS I-Patienten in anderen Studien könnten durch die im Frühstadium der Erkran kung wahrscheinlich häufig auftretenden Spontanremissionen zurückzuführen sein. http://deposit.ddb.de/cgi-bin/dokserv?idn=974924059&dok_var=d1&dok_ext=pdf&filename=974924059.pdf

2) Die sympathische Beteiligung ist bei einem CR PS Typ II deutlich geringer ausgeprägt als beim Mor bus Su deck.
Nach Nervenverletzungen kann es zu einer Kausalgie, besser als
CR PS Typ II bezeichnet, kommen.
Das Krankheitsbild ist charakterisiert durch einen qualvollen, glühend-
brennender Schmerz in der betroffenen Gliedmaße, auslösbar oder verstärkt schon durch leiseste Berüh rung ((evtl. auch entfernter Körperstellen (Synästhesalg ie)), durch optische oder akustische Reize, Trockenheit (Xerosalg ie), Wärme, Affekte oder bloße Schmerzvorstellung (Sympsychalg ie). Meist bestehen ferner Störungen der Durchblu tung u. der Hauttrophik (= Ernährungs-/ Wachstumszustand der Haut). Die Schmerzausbreitung ist unabhängig vom Innervationsgebiet (= Versorgungsgebiet eines Ner ven) (erfolgt evtl. auch auf die gegenseitige Gliedmaßen (Alloparalg ie).

Als Schmerzmittel der ersten Wahl sind auch beim CR PS Typ II Gabapentin oder Pregabalin zu empfehlen.

Zur Behandlung dieser Sympathalgie sind wiederholte Blockaden (= Betäubungen) des betroffenen Nervs mit einem lang wirkenden Betäubungsmittel sehr hilfreich, optimal kontinuierlich mit Katheter*.

Eine Ausführliche Darstellung dieser Schmerzkrankheit finden Sie hier: www.kausalgie.de (einfach anklicken).

Kontinuierlichen Blockaden mittels eingepflanztem Katheter setzen eine sehr gründliche, spezielle Ausbildung voraus und sind deshalb in Deutschland nur in ganz wenigen Schmerzzentren (Schmerzkliniken) durchführbar, so z.B. in Bad Mergen theim.

Besteht eine schmerzhafte Sympathalgie längerfristig, so ist davon auszugehen, daß bereits ein Chronifizierungsgrad II oder III (Mainzer Stadieneinteilung) vorliegt. In diesen Fällen ist eine rein somatischyle="font-size:10.0pt;font-family:Arial"> (= körperliche) Behandlung kaum mehr ausreichend, sondern es müssen zusätzlich psychologisch /psychotherapeutische Interventionen erfolgen, hilfreich sind auch Anleitungen zur Schmerzbewältigung.

* Bei der sog. kontinuierlichen Blockade eines Nerven mit Katheter wird der dünne Kunststoffschlauch dicht an Nervengeflechte bzw. den betroffenen Ner ven eingepflanzt. Die Einpflanzung erfolgt durch eine handelsübliche Kanüle hindurch, es muß also nicht „aufgeschnitten“ werden. In der Folge wird über diesen Katheter mehrmals täglich, jeweils nach Abklingen der vorangegangenen Dosis, das örtliche Betäubungsmittel völlig schmerzlos nachgespritzt. In bestimmten Fällen kann zur Verabreichung des örtlichen Betäubungsmittels durch den Katheter hindurch auch eine kleine Pumpe angeschlossen werden. Das Lokalanästhetikum (= örtliches Betäubungsmittel) wird bei dieser Behandlung so dosiert, dass die grobe Kraft erhalten bleibt (bei gleichzeitiger Hemmung der Schmerzreizleitung), damit begleitend krankengymnastische Übungsbehandlungen möglich bleiben. Dass die schmerzlindernde Wirkung i.d.R. über die eigentliche Behandlungszeit hinaus anhält, ist u.a. darauf zurückzuführen, daß bei dieser Blockadebehandlung auch die sog. vegetativen Ner ven betroffen sind, woraus eine sehr deutliche Durchblutungssteigerung und damit Optimierung des lokalen (= örtlichen) Stoffwechsels (besonders wichtig bei Sympathalgie) resultiert.
Nach neueren Erkenntnissen kann diese intensive Blockadetherapie auch das sog. Schmerzgedächtnis löschen.

Die Methoden der modernen Schmerztherapie bieten auch optimale Voraussetzungen für eine Anschlußheilbehandlung (AHB) bzw. Anschlußrehabilitation. Mehr darüber erfahren Sie hier: http://www.anschlussheilbehandlung.co.uk (einfach anklicken).

Laut der Webseite des Bundesministeriums für Gesundheit haben seit dem 1.4.2007 alle gesetzlich versicherte Personen einen Rechtsanspruch auf eine Rehabilitation und können sich ihre Rehabilitationseinrichtung sogar selbst aussuchen . Lesen Sie dazu auch einen Brief an die Aufsichtsbehörden.
Sozialgerichte stärken die Rechte von Schmerzpatienten gegenüber den Rentenversicherungen
.
Danach hat ein Schmerzpatient ein Recht darauf, in einer schmerztherapeutischen Klinik behandelt zu werden.
Hier gelangen Sie zu einem 1. Urteil (Sozialgericht Kassel). Mittlerweile gibt es diesbezüglich zwei weitere Urteile, so vom Landessozialgericht Hamburg: http://www.schmerz.com/schmerze n/sozialgericht2 und vom Sozialgericht Köln erging eine entsprechende, einstweilige Verfügung in nur 23 (!!) Tagen: www.schmerz.com/schmerze n/sozialgericht3.

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Aktualisiert: >19.09.2008</> kusb&
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