POSTHERNIOTOMIE-SYNDROM
 Schmerzen / Schmerz nach Leistenbruchoperation bzw. Herniotomie)

Die Leistenbruchoperation (Herniotomie) gilt heute als chirurgischer Routineeingriff. Leider gibt es aber immer wieder Patienten, bei denen sich danach das Postherniotomie-Syndrom ausbildet.

Das sog. Postherniotomie-Syndrom beschreibt Schmerzen als Folge einer Leistenbruchoperation (Herniotomie). Es handelt sich um eine Störung (seltener Verletzung) der Leistennerven ilioinguinalis und/oder genitofemoralis, bzw. Ramus (= Nervenast) genitalis des Nervus genitofemoralis. Es gibt Hinweise darauf, daß es intraoperativ zu einer Druckschädigung gekommen ist, so z.B. durch allzu forciertes Spreizen der Operationswunde.

Manchmal strahlen die Schmerzen nach einer Leistenbruchoperation (Herniotomie) in den rumpfnahen, inneren Oberschenkel (Nervus genitofemoralis), in den Hod e n, bzw. bei Frauen in die gleichseitige große Schamlippe (Nervus genitofemoralis, Ramus (= Nervenast) genitalis) und/oder in die gleichseitige, untere Bauch - und Flanke nregion (Nervus ilio inguinalis) aus.
Stärkere Schmerzen beim Postherniotomie-Syndrom führen typischerweise zu einer vornübergebeugten Schonhaltung, Ruhigstellung des Oberschenkels in der Mittellinie mit Einwärtsdrehung des Fuß
es bringt ebenfalls Erleichterung.

Leis ten schmerzen werden in der Fachsprache öfters auch als Leis ten neuralg ie bezeichnet, diese Bezeichnung ist aber nur dann korrekt, wenn die Schmerzen im Sinne einer echten Neuralgie attackenförmig auftreten, was aber beim Postherniotomie-Syndrom eher selten der Fall ist.

Weitere Schmerzstörungen, an denen Leis ten nerven beteiligt sind finden Sie hier.

Zur Schmerztherapie beim Postherniotomie-Syndrom werden wiederholte Betäubungen mit lang wirkenden lang wirkenden Lokalanästhetika (= örtliche Betäubungsmittel)) (z.B. 10 ml Bupivacain 0,25%, auch mit Kortison) im mehr äußeren Bereich des Leistenbandes durchgeführt ((Nervus genitofemoralis ca. 2-3 cm medial (= zur Körpermitte hin) der Spina iliaca anterior superior (= vorderer, oberer Darm bein stachel) in Richtung auf den Nabel)). 

Medikamentöse Schmerztherapie

Bei eher paroxysmalen (= attackenförmigen) Schmerz  sensationen kann ein Versuch mit Carbamazepin (z.B. Tegretal®), Gabapentin (Neurontin®) oder Pregabalin (Lyrica®) in Kombination mit Baclofen (z.B. Lioresal®) unternommen werden. 

Andere Schmerztherapien

Bei Therapieresistenz (= wenn übliche Behandlungen erfolglos bleiben) und dringender Behandlungsbedürftigkeit, vor allem wenn zusätzlich Hüfte und Unterleib, evtl. auch  innerer Oberschenkel und Hoden (bei Frauen Schaml ippen) betroffen sind, kommt die kontinuierliche Plexus lumbalis-Blockade (= Betäubung des Nervengeflechts im oberen Lenden bereich) mit Katheter (*siehe unten) in Frage. 

Bei Vorliegen eines Kompressionssyndrom es (= Krankheitszeichen bei mechanischer Einengung) evtl. eine örtliche Neurolyse (= Nerven freilegung). Zu einer perkutanen Rhizotomie (= Blockierung der hinteren Wurzel des Rücken mark s mittels Spiegelung) wird man sich nur selten entschließen.

Im Rahmen einer stationären Behandlung wegen Postherniotomie-Syndrom können im chronischen Stadium Nervenblockaden und Heilgymnastik optimal aufeinander abgestimmt werden.

 * Kontinuierliche Blockade Plexus lumbalis-Blockade mittels Nervus femoralis-Katheter:

Bei dieser Methode suchen wir von der Vorderseite des Oberschenkels her, handbreit unterhalb des Leistenbandes mit einer Kanüle in der Tiefe den Oberschenkelnerv (N. femoralis) auf und legen in die Nervenscheide (Gewebsumhüllung des Ner
ven) einen dünnen Kunststoffschlauch (Katheter) ein. In den nächsten 2-3 Wochen spritzen wir dann mehrmals täglich eine verdünnte örtliche Betäubungsmittellösung ein. 
Wenn man jeweils ca. 25-35 ml injiziert und während des Einspritzens den Oberschen
kel abstaut, wird die Wirkstofflösung nach oben getrieben (innerhalb der Nervenscheide) und betäubt auch die oben aufgeführten Ner ven des Plexus lumbalis.
Das Lokalanästhetikum
(= örtliches Betäubungsmittel) wird bei dieser Behandlung so dosiert, dass die grobe Kraft erhalten bleibt (bei gleichzeitiger Hemmung der Schmerz reizleitung), damit begleitend krankengymnastische Übungsbehandlungen möglich bleiben. Dass die schmerz lindernde Wirkung i.d.R. über die eigentliche Behandlungszeit hinaus anhält, ist u.a. darauf zurückzuführen, daß bei dieser Blockadebehandlung auch die sog. vegetativen Ner ven betroffen sind, woraus eine sehr deutliche Durchblutungssteigerung resultiert. Dies ist der Grund, warum diese Behandlungsmethode besonders bei Schmerzen, die auf eine verminderte Blutversorgung, auf entzündliche oder auch degenerative Prozesse zurückzuführen sind, hilfreich ist. Von der besseren Durchblutung profitiert auch ein gestörter Nervenzellstoffwechsel.

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