POSTHERNIOTOMIE-SYNDROM
Schmerzen / Schmerz nach
Leistenbruchoperation bzw. Herniotomie)
Zunächst die gute Nachricht für alle Schmerzpatienten
Sozialgericht stärkt die Rechte von Schmerzpatienten. Danach hat ein Schmerzpatient das Recht in einer schmerztherapeutischen Klinik behandelt zu werden, er muß also nicht irgendeine der sonst üblicherweise angebotenen Rehabilitationen akzeptieren sondern kann unter Hinweis auf das Urteil gleich Widerspruch einlegen. Hier gelangen Sie zu dem Urteil (dieses gilt sinngemäß natürlich nicht nur für die Rentenversicherungen sondern auch für Krankenkassen), das mittlerweile rechtskräftig ist. Pressemitteilung dazu: http://www.pressetext.de/pte.mc?pte=051207009&phrase=schmerzklinik
Die Leistenbruchoperation (Herniotomie) gilt heute als chirurgischer Routineeingriff. Leider gibt es aber immer wieder Patienten, bei denen sich danach das Postherniotomie-Syndrom ausbildet.
Das sog. Postherniotomie-Syndrom beschreibt Schmerzen als Folge einer Leistenbruchoperation (Herniotomie). Es handelt sich um eine Störung (seltener Verletzung) der Leistennerven ilioinguinalis und/oder genitofemoralis, bzw. Ramus (= Nervenast) genitalis des Nervus genitofemoralis. Es gibt Hinweise darauf, daß es intraoperativ zu einer Druckschädigung gekommen ist, so z.B. durch allzu forciertes Spreizen der Operationswunde.
Manchmal strahlen die
Schmerzen nach
einer Leistenbruchoperation (Herniotomie) in
den rumpfnahen, inneren
Oberschenkel
(Nervus genitofemoralis), in den Hod e
n, bzw. bei Frauen in die gleichseitige
große
Schamlippe (Nervus
genitofemoralis, Ramus
(= Nervenast)
genitalis) und/oder in die gleichseitige, untere
Bauch
- und
Flanke
nregion (Nervus ilio
inguinalis) aus.
Stärkere Schmerzen beim
Postherniotomie-Syndrom führen typischerweise zu einer
vornübergebeugten Schonhaltung, Ruhigstellung des Oberschenkels in der
Mittellinie mit Einwärtsdrehung des
Fuß
es bringt ebenfalls Erleichterung.
Leis ten schmerzen werden in der Fachsprache öfters auch als Leis ten neuralg ie bezeichnet, diese Bezeichnung ist aber nur dann korrekt, wenn die Schmerzen im Sinne einer echten Neuralgie attackenförmig auftreten, was aber beim Postherniotomie-Syndrom eher selten der Fall ist.
Weitere Schmerzstörungen, an denen Leis ten nerven beteiligt sind finden Sie hier.
Zur Schmerztherapie beim Postherniotomie-Syndrom werden wiederholte Betäubungen mit lang wirkenden lang wirkenden Lokalanästhetika (= örtliche Betäubungsmittel)) (z.B. 10 ml Bupivacain 0,25%, auch mit Kortison) im mehr äußeren Bereich des Leistenbandes durchgeführt ((Nervus genitofemoralis ca. 2-3 cm medial (= zur Körpermitte hin) der Spina iliaca anterior superior (= vorderer, oberer Darm bein stachel) in Richtung auf den Nabel)).
Bei eher paroxysmalen (= attackenförmigen) Schmerz sensationen kann ein Versuch mit Carbamazepin (z.B. Tegretal®), Gabapentin (Neurontin®) oder Pregabalin (Lyrica®) in Kombination mit Baclofen (z.B. Lioresal®) unternommen werden.
Andere Schmerztherapien
Bei Therapieresistenz (= wenn übliche Behandlungen erfolglos bleiben) und dringender Behandlungsbedürftigkeit, vor allem wenn zusätzlich Hüfte und Unterleib, evtl. auch innerer Oberschenkel und Hoden (bei Frauen Schaml ippen) betroffen sind, kommt die kontinuierliche Plexus lumbalis-Blockade (= Betäubung des Nervengeflechts im oberen Lenden bereich) mit Katheter (*siehe unten) in Frage.
Bei Vorliegen eines Kompressionssyndrom es (= Krankheitszeichen bei mechanischer Einengung) evtl. eine örtliche Neurolyse (= Nerven freilegung). Zu einer perkutanen Rhizotomie (= Blockierung der hinteren Wurzel des Rücken mark s mittels Spiegelung) wird man sich nur selten entschließen.
Im Rahmen einer stationären Behandlung wegen Postherniotomie-Syndrom können im chronischen Stadium Nervenblockaden und Heilgymnastik optimal aufeinander abgestimmt werden.
* Kontinuierliche Blockade Plexus
lumbalis-Blockade mittels
Nervus femoralis-Katheter:
Bei dieser Methode suchen wir von der Vorderseite des Oberschenkels her,
handbreit unterhalb des Leistenbandes mit einer Kanüle in der Tiefe den
Oberschenkelnerv (N. femoralis) auf und legen in die Nervenscheide
(Gewebsumhüllung des Ner
ven) einen dünnen Kunststoffschlauch
(Katheter) ein. In den nächsten 2-3 Wochen spritzen wir dann mehrmals täglich
eine verdünnte örtliche Betäubungsmittellösung ein.
Wenn man jeweils ca. 25-35 ml injiziert und während des Einspritzens den
Oberschen
kel abstaut, wird die Wirkstofflösung nach oben
getrieben (innerhalb der Nervenscheide) und betäubt auch die oben aufgeführten
Ner
ven des Plexus lumbalis.
Das
Lokalanästhetikum
(=
örtliches Betäubungsmittel)
wird bei dieser Behandlung so dosiert, dass die grobe Kraft erhalten bleibt (bei
gleichzeitiger Hemmung der
Schmerz
reizleitung), damit begleitend krankengymnastische Übungsbehandlungen
möglich bleiben. Dass die schmerz lindernde Wirkung
i.d.R. über die eigentliche Behandlungszeit hinaus anhält, ist u.a. darauf
zurückzuführen, daß bei dieser
Blockadebehandlung
auch die sog. vegetativen Ner
ven betroffen sind, woraus eine sehr
deutliche Durchblutungssteigerung resultiert. Dies ist der Grund, warum diese
Behandlungsmethode besonders bei Schmerzen, die auf eine
verminderte Blutversorgung,
auf entzündliche oder auch degenerative Prozesse zurückzuführen sind, hilfreich
ist. Von der besseren Durchblutung profitiert auch ein gestörter
Nervenzellstoffwechsel.
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>10.03.2007</> ku sB
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