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Kreuzschmerzen
Anhaltende Kreuzschmerzen sind in besonderem Maße geeignet, das körperliche Allgemeinbefinden beträchtlich zu stören. Diagnostik und Therapie von Kreuzschmerzen werden allerdings durch die Vielzahl möglicher Ursachen erschwert, hinzu kommt, daß das Beschwerdebild nicht einheitlich ist, sondern in den verschiedensten Variationen (z. B. unterschiedliche Ausstrahlungen in die Be ine, Leis ten) auftritt. Von Bedeutung ist deshalb bei Kreuzschmerzen eine genaue Anamnese (= Erhebung der Vorgeschichte).
Kreuzschmerzen werden auch als Lumbalgie bezeichnet. Der Begriff "Lumbago" (Hexenschuß) steht für einen akuten (= plötzlich und heftig auftretenden) Kreuzschmerz.
Kreuzschmerzen können von der Lendenwirbelsäule, dem Kreuzbein, aber auch von den Iliosakralgelenk e n ausgehen.
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Lendenwirbelsäule,
Iliosakralgelenk und Kreuzbein |
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Die
Wirbelsäule
als statisches Achsenorgan ist in
dieser Funktion großen Belastungen ausgesetzt, entsprechend häufig treten
Verschleißerscheinungen auf, die über die physiologische Degeneration
(= normale Abnützung)
hinausgehen und deshalb oft Beschwerden verursachen.
Es ist jedoch stets zu
bedenken, daß auch höhergradige Verschleißprozesse nicht unbedingt mit
Kreuzschmerzen
einhergehen müssen, auch gibt es keine statistische Korrelation zwischen dem
Ausmaß der abnutzungsbedingten Veränderungen und der geklagten
Schmerzintensität. Das Vorhandensein abnutzungsbedingter Veränderungen, die
theoretisch die geklagten
Rücken
-
bzw. Kreuzschmerzen verursachen können, darf deshalb nicht
dazu verleiten, eine weitergehende Diagnostik
(= Maßnahmen zur Erkennung eines
Krankheitsgeschehens) zu unterlassen.
Vertebragene Schmerzen
(= von der Wir belsäule ausgehende) können
auf die Schädigungsregion (Bewegung
ssegment) beschränkt bleiben und/oder in das
Versorgungsgebiet eines irritierten oder geschädigten
Nerven (pseudoradikuläres
oder radikuläres
Syndrom)
ausstrahlen.
Diffuse, in die Peripherie (= in den äußeren Körperbereich) projizierte Kreuzschmerzen ohne faßbare Nervenstörung, begleitet von Krankheitszeichen, die dem vegetativen, unwillkürlichen Nervensystem zuzuordnen sind (z.B. örtlich vermehrte Schweißbildung), sprechen für die Funktionsstörung des Grenzstranges (= vegetative Nervenstrukturen beidseits der Wir belsäule) (Syndrom des sympathischen Grenzstranges, Thoden 1989).
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Auflistung vertebragener (= wirbelsäulenbedingter) Ursachen |
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von Rück en- bzw. Kreuzschmerzen: |
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Degenerative Veränderungen (= durch Abnutzung hervorgerufen) |
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- Bandscheibenveränderungen (Bandscheibenvorwölbung, Bandscheibenvorfall) |
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- ligamentäre Insuffizienz (= Funktionsstörung von Haltebändern) |
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- Störung der gelenkigen Wirbelverbindungen |
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- knöcherne Veränderungen (Randzacken, Knochenwulste usw.) |
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Mißbildungen |
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- angeborene (z.B. Spina bifida, Blockwirbel, Keilwirbel) |
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- Wachstumsstörung (Skoliose, Scheuermann Krankheit) |
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Entzündliche Erkrankungen |
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- Rheumatischer Formenkreis (z.B. Polymyalgia, Morbus Bechterew) |
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- Infektionserkrankungen (Spondylitis z.B. durch Tbc, |
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Staphylokokken, M. Bang) |
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Generalisierte Skeletterkrankungen |
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- (z.B. Osteoporose, Osteomalazie) |
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Tumoren der Wir belsäule |
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- Primärtumoren (hauptsächlich Plasmozytom) |
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Traumen (= Verletzungen) (Frakturen) |
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Defekte, nicht verletzungsbedingte (z.B. Spondylolyse |
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und Spondylolisthese) |
Häufige Ursachen von Kreuzschmerzen, ausgehend von der Lendenwir
belsäule:
Die Lendenwir
belsäule ist großen statisch-dynamischen Belastungen ausgesetzt,
weshalb hauptsächlich dieser Wirbelsäulenabschnitt von Schmerzsyndromen
betroffen ist.
Als Ursache stehen wie bei der
Halswirbelsäule übermäßige
degenerative (=
abnutzungsbedingte) Veränderungen
im Vordergrund, wobei der Bandscheibe eine Schlüsselrolle zufällt. Der
Wassergehalt des Gallertkernes der
Ban
dscheibe
nimmt im Laufe der Zeit ab und
damit die Elastizität, wodurch die Beweglichkeit beeinträchtigt wird. Der
Faserring verliert allmählich seine Haltefunktion, wird rissig und teilweise für
die Gallertmasse durchlässig. Bereits in dieser Phase sind
Bandscheibenvorfälle
möglich. Das Bewegungssegment wird durch diese
Bandscheibenveränderung
nunmehr
instabil, wodurch die Funktionsbewegungen beeinträchtigt werden. Die
Wirbelkörper können sich dann gegeneinander verschieben, worunter die kleinen
Wir
belgelenke besonders leiden und schließlich mit arthrotischen
(= krankhaften)
Veränderungen reagieren
(Spodylarthrosen). Mit
zunehmender
Bandscheibendegeneration (=
Bandscheibenabnutzung)
nähern sich die Wirbelkörper einander und reagieren mit Randzackenbildung (Spondylose) und Sklerosierung (=
krankhafte Verhärtung)
der Deckplatten (Osteochondrose). Allmählich
kommt es zu einer Versteifung, die an sich der Entstehung von Rüc
ken- bzw.
Kreuzschmerzen entgegen wirkt ("wohltuende Versteifung im Alter").
Jede Phase dieser fortschreitenden Degeneration kann im
Bewegungssegment einen
Kreuzschmerz verursachen, die auch mit pseudoradikulärer
oder gar radikulärer Symptomatik
(= Krankheitszeichen die auf eine scheinbar oder
tatsächlich geschädigte Ner
venwurzel zurückzuführen sind)
einhergehen können.
Verschleißprozesse, die über die normale,
altersentsprechende Abnutzung hinausgehen, können auch zu einer
Verengung des
Spinalkanals
führen und in den betroffenen Segmenten Kreuzschmerzen
hervorrufen, bei entsprechendem Ausmaß treten weitere Beschwerden hinzu ((pseudoradikuläre,
radikuläre Ausstrahlungen in die
Beine,
Claud
icatio spinalis
(= Funktionsbeeinträchtigung der Beine aufgrund einer
Durchblutungsstörung
im
Rücken
mark)).
Die kleinen
Wir
belgelenke, die wegen ihrer dachziegelartigen Anordnung auch
Facettengelenke genannt werden, können auch isoliert, also unabhängig vom
Einfluß der
Bandscheibendegeneration (=
Bandscheibenabnutzung) arthrotische Veränderungen erfahren und
dann ebenfalls schmerzhafte Blockierungen des Bewegungssegmentes hervorrufen.
Auch im Bereich der Foramina intervertebralia
(= Zwischenwirbellöcher)
können isolierte Störungen auftreten, die die zugehörigen Ner
venwurzeln
irritieren oder gar schädigen und dann zu Schmerzen führen.
Ein
Bandscheibenvorfall erfolgt meist dorsolateral
(= seitlich und nach hinten)
und kann schon bei geringem Ausmaß das Bewegungssegment blockieren. In der
dorsolateralen Region kann aber auch die Ner
venwurzel direkt tangiert bzw.
eingeklemmt werden und ausstrahlende Krankheitszeichen bewirken. 90% aller
Bandscheibenvorfälle finden in den Etagen L4/L5 und L5/S1 statt (Sehhati-Chafei
1988). Diese bevorzugte Lokalisation führt dazu,
daß häufig die Diagnose "Lumboischialgie" gestellt wird, da die oberen
Anteile des Ple
xus ischiad
icus (= Nervengeflecht aus dem der
Ischias
nerv entstammt)
bzw. Pl exus sacral
is (= Nervengeflecht
im Bereich des Kreuzbeins) den
Ner
venwurzeln L4 und L5 entstammen.
Patienten mit
Rück
en- bzw. Kreuzschmerzen nach
Bandscheibenoperation
en sind bezüglich einer
Schmerzbehandlung sehr
problematisch. Erfahrungsgemäß nimmt die Problematik mit jeder weiteren
Operation sogar noch zu. Der oben beschriebene typische Ablauf des
Abnutzungsprozesses macht deutlich, daß auch mit einer Operation die eigentliche
Schmerzursache ja nicht behoben werden kann, im Gegenteil, es besteht sogar die
Gefahr, daß der degenerative Prozeß noch beschleunigt wird. Mit jeder Operation
nimmt die Tendenz zur Instabilität zu, abgesehen von den zusätzlichen iatrogenen (= durch die Operation verursachten)
Gewebsschädigungen.
Nicht selten sehen wir Patienten, bei denen nach mehrfachen
Bandscheibenoperation
en wegen Instabilität eine
Spondylodese
(= operative
Wirbelsäulenversteifung)
durchgeführt werden mußte. Leider ist auch nach einer solchen, teilweisen
Wirbelversteifung ein Großteil der Patienten nicht beschwerdefrei. Es ist
daher zu begrüßen, daß die Indikation
(= Anzeige) zur
Bandscheibenoperation
in den letzten Jahren immer mehr eingeschränkt worden ist. Als Grund für eine
Operation ist das Krankheitszeichen "Rücken
-" oder „Kreuzschmerzen“
in den Hintergrund getreten. Als relative Indikation
(= Anzeige) gelten allenfalls
unerträgliche, therapieresistente (=
nichts hilft) Kreuzschmerzen.
Beim
sog. Cauda-Syndrom (=
Rücken
markschädigung mit Lähmung der
Beine), ebenso bei motorischen Defiziten
(= Beeinträchtigungen der Muskelfunktion),
die unter konservativer Therapie (=
Behandlung ohne Operation) bestehen
bleiben oder gar zunehmen, muß operiert werden, um eine Entlastung
herbeizuführen.
Segmentale
Rück
en- bzw. Kreuzschmerzen mit und ohne Schmerzausstrahlungen,
können auch von den
Muskeln neben der
Wirbelsäule selbst und/oder den
zugehörigen
Sehnen ausgehen (myofasziales Syndrom). Über den segmentalen
Reflexbogen kann auch die benachbarte Seite mit einbezogen werden, so daß
ver
tebragene (= von der
Wir
belsäule ausgehenden)
Schmerzen vorgetäuscht werden.
Grobe Hinweise auf die Art der Schädigung liefern die Abfrage der Vorgeschichte und das Beschwerdebild:
Wird ein Rückenschmerz bei Beanspruchung der Wir belsäule verstärkt oder ausgelöst, so sind die Bewegungssegmente beteiligt.
Kreuzschmerzen, die von der Wirbelsäulenfunktion unabhängig sind, sprechen mehr für Störungen im Bereich der Wirbelkörper.
Kreuzschmerzen, die von Mus keln und deren Bindegewebsumhüllung ausgehen (sog. muskuloskelettaler oder myofaszialer Ursprung) werden durch Wirbelsäulenbelastungen und -bewegungen ebenfalls verstärkt, unterliegen aber häufig klimatischen Einflüssen, d.h., sie treten in der kälteren Jahreszeit bevorzugt auf. Oft berichten die Patienten, sie hätten sich "verkühlt".
Akut auftretende Kreuzschmerzen sind häufig bandscheibenbedingt, können aber auch durch eine akute Segmentblockierung (hpts. kleine Wir belgelenke) ausgelöst werden.
Akute Kreuzschmerzen, die mit einer monoradikulären Symptomatik (= Krankheitszeichen 1 Ner venwurzel betreffend) einhergehen, sind sichere Anzeichen eines Bandscheibenvorfalls, gleiches gilt für akute Schmerzen im Zusammenhang mit einem Cauda-Syndrom (= Rückenmarkschädigung mit Lähmung der Bei ne).
Rücken- bzw. Kreuzschmerzen beim Husten und Pressen sind typisch für Nervenwurzelkompressionen, z.B. infolge einer Bandscheibenprotrusion oder gar eines Bandscheibenprolaps (= Bandscheibenvorwölbung oder gar -vorfall).
Rückenschmerzen, die bei Erschütterung auftreten, können von einer Spondylitis (= Entzündung an der Wirbelsäule) verursacht werden.
Rück en- bzw. Kreuzschmerzen, die bevorzugt nachts und morgens auftreten, weisen auf eine generalisierte (= allgemeine) Wirbelsäulenerkrankung hin, z.B. Morbus Bechterew oder Osteoporose.
Auch auf den Ort der Schädigung lassen sich bereits aus dem Beschwerdebild
Rückschlüsse ziehen. Schmerzen und Störungen der (Berührung
s-) Empfindlichkeit im Bereich ober- und unterhalb des
Leisten
bandes weisen auf die Ner
venwurzeln L1
(= 1. Segment der Lendenwir
belsäule)
und L2 hin. Die L3-Wurzel macht sich am vorderen inneren
Oberschenkel
bemerkbar.
Die Meralgia
paraesthetica (=
Schmerzstörung im Bereich des Nervus cutaneus femoris lateralis, rumpfnahe an
der Außenseite des Oberschenkels) ist
dagegen eine periphere (= mehr
oberflächliche)
Nervenstörung.
Schmerzen und Störungen der (Berührungs-) Empfindlichkeit vom vorderen inneren
Oberschenkel
bis zur
Schienbein
vorderfläche reichend, betreffen die Wurzel L4.
Beschwerden, die von der Außenfläche des Oberschenkels über den äußeren
seitlichen
Unterschenkel zum
Fußrücken und zur Großzehe ziehen, sind L5
zugeordnet, während die S1-Wurzel (= 1.
Ner
venwurzel im
Kr
euzbeinbereich) für
den hinteren Oberschen
kel, hinteren seitlichen Unterschen
kel,
seitlichen
Fuß
rand
und die
Zehen 3-5 verantwortlich ist.
Ursachen für Kreuzschmerzen, ausgehend vom Kreu zbein (Os sacrum) (die sog. Sakralgie):
Infolge Kompression (= Einengung) der sog. Ner ven clunium recurrentes in den Kreu zbein-Löchern.
Bei einer sog. Sakralisation. Unter einer oberen Sakralisation versteht man eine komplette oder inkomplette (= unvollständige) (asymmetrische) mit Formangleichung verknüpfte Verschmelzung des 5. Lendenwirbelkörpers mit dem Kreuzbein. Bei der unteren Sakralisation kommt es zu eine Verschmelzung mit dem 1. Steißbeinwirbel, was zusätzlich zu Steißbeinschmerzen führen kann.
Ursachen für Kreuzschmerzen, ausgehend von den Iliosakralgeslenk en (= gelenkartige Verbindung zwischen Darm - und Kreuz bein) (die sog. Iliosakralgie):
Meist liegen funktionelle Störungen vor, die betroffenen
Patienten klagen besonders bei Rumpfbeugung, verbunden mit Drehung, über
Schmerzen im lumbosakralen Übergangsbereich
(= unterer
Lendenwirbelsäule
n- und oberer
Kr
euzbeinbereich),
aber auch typischerweise über Schmerzen im Bereich der Spina iliaca posterior
superior (= hinterer oberer
Darmbeinstachel) mit unspezifischen
Ausstrahlungen in die
Beine (Gesäß, hinterer und seitlicher
Oberschenkel bis zur
Wade und evtl.
Ferse).
Neurologische Ausfälle (=
Nervenstörungen)
bestehen nicht. Häufiger kommen diese Patienten mit der (falschen) Diagnose „Lumboischialgie“.
Medikamentöse Schmerzbehandlung:
Akut
(= plötzlich einsetzend, heftig) und
subakut (= eher schleichend verlaufend)
können zunächst (vorwiegend) peripher wirkende
Analgetika
(=
Schmerzmittel, die am Ort der Schmerzentstehung wirken)
eingesetzt werden, insbesondere sog. nicht steroidale Antirheumatika
(= Rheumamittel)
(möglichst langwirkende und magenschonende wie z.B. Mobec®). Besonders magenschonend und auch entzündungshemmend sind die sog. COX-2
Inhibitoren, z.B. Parecoxib (Dynastat®)
oder Etoricoxib (Arcoxia®),
allerdings scheint diese Stoffgruppe mit einem Herz-/Kreislauf-Risiko verbunden
zu sein, zumindest bei längerer Therapiedauer. Es bleibt abzuwarten, ob Parecoxib
und
Etoricoxib nicht auch noch vom Markt genommen werden, wie schon andere
Mittel dieser Stoffgruppe zuvor.
Bei stärkeren schmerzhaften Muskelverspannungen auch
Muskelrelaxanzien
(= Mittel zur Muskelentspannung)
(z.B. Norflex®, Mydocalm®).
Manchmal sind aber die Schmerzen nur mit zentralwirkenden
Analgetika (z.B. Tramadol, Valoron N®
oder gar Morphin)
(= im Gehirn bzw.
Rücken
mark wirkende
Schmerzmittel)
beherrschbar.
Grundsätzlich sollte aber eine längerfristige
Schmerzmittelverordnung wegen der Gefahr der Gewöhnung oder gar
Schmerzmittelabhängigkeit
vermieden werden.
Die Kombination mit schmerzdistanzierenden Antidepressiva
(= Mittel gegen Depression, u.a. aber auch
bei chronischen Schmerzen hilfreich)
(z.B. Doxepin, Maprotilin) hilft in vielen Fällen Schmerzmittel
einzusparen.
Therapeutische
Lokalanästhesie
(=
Behandlung mit einem
örtlichen Betäubungsmittel
bzw.
Lokalanästhetika):
Bei anhaltenden
Rück
en- bzw. Kreuzschmerzen
sollten rechtzeitig alternative Methoden eingesetzt werden. Eine sehr wirksame
Alternative, ohne jedes Gewöhnungs- oder Suchtpotential, ist die therapeutische
Lokalanästhesie mit einem langwirkenden örtlichen Betäubungsmittel (z.B.
Bupivacain) in Form von örtlichen Betäubungen und
Nervenblockaden.
Infiltrative Lokalanästhesie (=
Infiltration mit einem örtlichen Betäubungsmittel):
Die einfachste diesbezügliche
Therapie besteht in der örtlichen Infiltration der meist verspannten, an die
Wirbelsäule
angrenzenden
Muskulatur. Je nach segmentaler Ausdehnung reichen ca.
5-10 ml Bupivacain 0,25% bis 0,5% völlig aus.
Eine weitere Möglichkeit ist die
gezielte Infiltration von Triggerpunkten
(= kleine Reizzonen hpts. in der
Mus
kulatur)
nach vorheriger Identifizierung derselben.
Werden die Kreuzschmerzen durch abgenutzte, entzündliche oder irritierte
Inter
vertebralgelenke (= kleine
Gelenke zwischen den Wir
beln)
verursacht, sind Infiltrationen der betroffenen kleinen
Gelenk
e erfolgversprechend. Kortison-Zusatz kann den Heilungsprozeß beschleunigen.
Bei
einer Affektion (= Störung, Erkrankung)
der
Iliosakralgelenk e
werden diese wiederholt infiltriert.
Der
Beweis für ein "Facetten-Syndrom"
(= Schmerzstörung im Bereich der kleinen
Wir
belgelenke) als Schmerzursache,
ist letztlich nur durch den Erfolg einer probatorischen
(= zur Sicherung der Diagnose durchgeführten)
Facet
ten-Betäubung zu erbringen. Langzeiterfolge durch Thermokoagulation
(= Verkochung / Zerstörung mit
Hochfrequenzstrom) der Facet
ten sind
bei einem
Rück
enschmerz nicht gesichert.
Periphere temporäre
(= oberflächliche, zeitlich begrenzte)
Ner
ven- und rückenmarknahe Blockaden:
Zur Unterbrechung segmentaler Reflexkreise, aber auch zur Therapie von
Schmerzausstrahlungen eignen Blockaden
(= Betäubungen)
der korrespondierenden Ner
venwurzeln
(= im Schmerzbereich befindliche
Nervenaustrittstellen, im Falle von Kreuzschmerzen neben der Lendenwirbelsäule
und des Os sacrums).
Die sakralen
(= dem
Kr
euzbein entstammenden)
Ner venwurzeln sind einzeln in den paarig angeordneten 6 Foramina sacralia
(= kleine Öffnungen im
Kr
euzbein)
blockierbar. Wiederholt werden jeweils 1-2 ml Bupivacain (z.B.
Carbostesin®)
0,25% eingespritzt.
Im
Bereich der
Bein
e können bei entsprechender radikulärer oder pseudoradikulärer Schmerzausstrahlung
(= Schmerzen die auf eine tatsächlich oder
scheinbar geschädigte Nervenwurzel zurückzuführen sind)
der vordere
Oberschenkel
nerv (N. femoralis) und / oder der Ischiasnerv
wiederholt blockiert werden, in hartnäckigen Fällen mit Katheter (* siehe
unten).
Bei Schmerzausstrahlung in den Bereich des seitlichen und inneren
Oberschenkels gelingt mit der sog. 3-in-1-Variante die zusätzliche Betäubung der
Ner
ven obturatorius und cutaneus femoris lateralis, deshalb auch geeignet zur
Behandlung der
Meralgia
paraesthetica (=
brennende Schmerzen an der
Oberschenkelaußenseite).
Die
lumbale
Per
iduralblockade
(= rückenmarknahe
Betäubung im Lendenbere
ich),
insbesondere kontinuierlich mit Katheter*, ist bei Kreuzschmerzen eine sehr effektive
Therapiemaßnahme, die allerdings nur unter stationären Bedingungen durchgeführt
werden sollte. Bei technischer Beherrschung, adäquater Lokalanästhetika-Dosierung und Beachtung der hygienischen Belange kann das
Risiko bei der Anzeige "Kreuzschmerz" als vertretbar eingestuft werden.
Wenn
eine Per
iduralblockade technisch schwer oder nicht durchführbar ist (z.B. bei
Mißbildungen, Zustand nach operativer
Wirbelsäulenversteifung usw.), bietet sich
besonders bei Störungen im Bereich des
Pl
exus sacral
is
(= Nervengeflecht im Bereich des Kreuzbeins)
die sog. Kaudalanästhesie (= rückenmarknahe
Betäubung durch einen Kanal im
Kr
euzbein hindurch)
an, die auch mit Katheter* möglich ist, sofern dieser wegen der der
Gefahr einer
En
tzündung
seitlich unter der Haut mittels einer Untertunnelung
weggeführt wird. Erhöht man die Menge des örtlichen Betäubungsmittels (z.B.
20-25ml Bupivacain 0,1 bis 0,15 %) kann auch der obere
Lende
nbereich
erreicht
werden.
Statt mit einem örtlichen Betäubungsmittel können die aufgeführten, rückenmarknahen Blockaden auch mit einer verdünnten Morphin-Lösung durchgeführt
werden, allerdings ist dabei die oft zu beobachtende, über die Behandlungszeit
hinaus anhaltende Wirkung deutlich weniger ausgeprägt.
Bei sehr schweren und
sonst kaum behandelbaren Kreuzschmerzen kann zur Durchführung rückenmarknaher
Blockaden auch eine kleine Schmerzpumpe unter die Haut gepflanzt werden.
Das Arzneimittelreservoir der Pumpe wird dann in bestimmten Zeitabständen durch
die Haut hindurch mit Hilfe einer Spritze wieder aufgefüllt.
* Bei der sog. kontinuierlichen Blockade mit Katheter wird der dünne Kunststoffschlauch dicht an Nervengeflechte bzw. den betroffenen Ner ven eingepflanzt. Die Einpflanzung erfolgt durch eine handelsübliche Kanüle hindurch, es muß also nicht „aufgeschnitten“ werden. In der Folge wird über diesen Katheter mehrmals täglich, jeweils nach Abklingen der vorangegangenen Dosis, das örtliche Betäubungsmittel völlig schmerzlos nachgespritzt. In bestimmten Fällen kann zur Verabreichung des örtlichen Betäubungsmittel durch den Katheter hindurch auch eine kleine Pumpe angeschlossen werden. Das örtliche Betäubungsmittel wird bei dieser Behandlung so dosiert, dass die grobe Kraft erhalten bleibt (bei gleichzeitiger Hemmung der Schmerzreizleitung), damit begleitend krankengymnastische Übungsbehandlungen möglich bleiben. Dass die schmerzlindernde Wirkung i.d.R. über die eigentliche Behandlungszeit hinaus anhält, ist u.a. darauf zurückzuführen, daß bei dieser Blockadebehandlung auch die sog. vegetativen Ner ven betroffen sind, woraus eine sehr deutliche Durchblutungssteigerung resultiert. Dies ist der Grund, warum diese Behandlungsmethode besonders bei Schmerzen, die durch entzündliche oder auch degenerative (= abnutzungsbedingte) Prozesse entstanden sind, hilfreich ist. Gleiches gilt für auch Schmerzen im Rahmen von Nervenerkrankungen, da eine verbesserte Durchblutung auch den Nervenzellstoffwechsel optimiert. Nach neueren Erkenntnissen vermag eine solche intensive Blockadebehandlung auch das sog. Schmerzgedächtnis zu löschen.
Physikalische Therapie:
Auch die Elektrostimulation kann eine Beschwerdelinderung herbeiführen. Die transkutane
Nervenstimulation mit Niederfrequenzgenerator über Klebeelektroden (TENS)
hat den Vorteil, daß sich die Patienten bei Bedarf selbst behandeln können. Die
Elektroden werden paarig neben der Wir
belsäule im Schmerzbereich aufgeklebt.
Durch Veränderung der Stimulationsfrequenz und der Elektrodengröße kann die
Wirkung optimiert werden. Auch eine sog.
Hochtontherapie
kann sehr hilfreich sein.
Die elektrische epidurale Rückenmarksstimulation
erfordert eine strenge Patientenauswahl.
Eine weitere physikalische
Behandlungsmöglichkeit ist bei Kreuzschmerzen die oberflächliche Kältetherapie im
Schmerzbereich. Wir verwenden einen elektrischen Kaltluftgenerator, dessen
Luftstrom auf ca. -10 bis -15 Grad C abgekühlt ist.
Manche Patienten mit
Kreuzschmerzen (gilt auch für andere
Rück
enschmerzen) empfinden allerdings lokale
Wärmeapplikationen (Rotlicht) als besser wirksam. Warme Bäder können
ebenfalls
Schmerzen lindern.
Die Verordnung von Massagen ist
auch bei Kreuzschmerzen
nicht sinnvoll. Für den Patient mag diese Behandlung zwar angenehm sein, aber
unter schmerztherapeutischem Aspekt bringt sie nichts und führt nur zu unnötigen
Kosten.
Nahezu unverzichtbar ist aber die
heilgymnastische Therapie, da meist nur diese geeignet ist, einen ärztlichen
Behandlungserfolg zu sichern und längerfristig zu stabilisieren. Dabei gilt es,
die
Muskeln neben der Wir
belsäule zu trainieren, da auf Dauer nur eine
kräftige/suffiziente
Muskulatur eine statische und dynamische Schwäche des
Achsenorgans kompensieren kann.
Besonders bei akuten Blockierungen hat die
manuelle Therapie (Chirotherapie) bei der Anzeige „Kreuzschmerzen“
durchaus gute Erfolge aufzuweisen.
Bei schmerzhaften degenerativen
(= durch Abnutzung hervorgerufenen)
Veränderungen der Wir
belsäule wird auch eine Röntgenbestrahlung empfohlen
(Thomalske 1991), ebenso
Magnetfeldtherapie
(pulsierende
Signaltherapie).
Andere Therapiemaßnahmen:
Der Vollständigkeit halber darf die
Akupunktur nicht unerwähnt bleiben.
Wichtig
sind bei
Kreuzschmerzen individuelle Instruktionen zur richtigen Haltung und Vermeidung von
übermäßigen Wirbelsäulenbelastungen (funktionelle Ergotherapie bzw.
Rückenschule). Darüber hinaus ist anzustreben, daß die betroffenen Patienten
Übungen zur Lockerung der
Mus
kulatur erlernen.
Die Verordnung von Hilfsmitteln
wie z.B. stabilisierende Korsette sollten dem Orthopäden vorbehalten sein.
Hypnoide (=
bewusstseinsverändernde)
Verfahren wie autogenes Training oder
progressive Relaxation nach Jakobson sind eine
sinnvolle Ergänzung der Gesamtstrategie, da auch sie zu einer muskulären
Entspannung führen, ebenso Biofeedback
(= Registrierung und Rückmeldung bioelektrischer Signale).
Psychotherapeutische Interventionen
können beim ausgeprägten "psychosomatischen Schmerz" angezeigt sein, da auch
verdrängte Konflikte muskuläre Verspannungen und Schmerzen verstärken können.
Bei längerfristig bestehenden Schmerzen ist davon auszugehen, daß bereits ein Chronifizierungsgrad II oder III (Mainzer Stadieneinteilung) vorliegt. In diesen Fällen ist eine rein somatische (= körperliche) Behandlung kaum mehr ausreichend, sondern es müssen zusätzlich psychologisch /psychotherapeutische Interventionen erfolgen.
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Aktualisiert: k u 14.03.2006
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H
Halbseitenkopfschmerz,
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I
Idiopathischer Kopfschmerz,
Insertionstendopathie (http://www.insertionstendopathie.de),
Ischämie (www.ischämie.com
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K
Karzinom,
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((auch Migräne (www.migraene.co.uk)),
Kopfschmerzen (www.1-kopfschmerzen.de)
(1),
Kopfschmerzen (2),
Kopfschmerzen (3),
Kopfschmerzen
(4), Kopfschmerz (www.kopfschmerz.co.uk),
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Kopfschmerzsyndrome,
Kostoklavikuläres Syndrom,
Koxalgie (www.koxalgie.de),
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Krebsleiden,
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Kreuzbeinschmerzen,
Kreuzschmerzen (www.kreuzschmerzen.biz),
Kreuzschmerz (www.kreuz-schmerz.com),
Kyphose (www.kyphose.de)
L
Leibschmerz,
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M
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Dysfunktion, Myositis (www.myositis.at)
N
Nackenkopfschmerzen,
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Neoplasma,
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O
Oberbauchschmerz,
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P
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Q
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S
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