ANALGETIKA

Es gibt keine Analgetika ohne Nebenwirkungen!

Wenn abzusehen ist, daß ein Patient längerfristig auf Anal getika angewiesen ist, muß eine Anal getikaaustestung durchgeführt werden, um herauszufinden, welches Mittel bzw. welche Kombination in möglichst geringer Dosierung eine bestmögliche schmerzlindernde Wirkung zeigt. Optimal ist eine solche Anal getika-Testung natürlich unter stationären Bedingungen, da die infrage kommenden Analgetika ohnehin vorgehalten werden und eine zeitnahe Wirkungserfassung gewährleistet ist.

In Anlehnung an den analgetischen (= Schmerzmi ttel betreffenden) Stufenplan, welcher 1986 von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) als Richtlinienentwurf für den Einsatz von Anal getika bei tumorbedingten Schmerzen veröffentlicht wurde, empfiehlt sich nach unseren Erfahrungen ein stufenweises Vorgehen auch in der allgemeinen Schmerztherapie.
Am Anfang des 3-Stufenschemas (Tab. 1.1) steht die Therapie mit nichtopioiden
(= nicht Opium-ähnlichen), vorwiegend peripheren (= am Ort der Schmerzentstehung wirkenden) Analgetika.
Wenn dadurch keine zufriedenstellende Schmerz
linderung erreicht werden kann, ist zusätzlich ein schwach zentralwirksames Opioid (= im Rückenmark/Gehirn wirkendes, Opium-ähnliches Schmerzmi ttel) indiziert. Eine Kombination von peripher und zentral wirkenden Anal getika verbessert die Analgesiequalität (= schmerzlindernde Wirkung), da sich die Effekte aufgrund der unterschiedlichen Wirkprinzipien addieren. Bei ungenügender Wirksamkeit der schwachen Opioide müssen diese durch stark zentral wirkende Anal getika ersetzt werden.
Unter Einhaltung sorgfältiger Auswahlkriterien ist der Einsatz von Opioid en
(= Opium-ähnliche Analgetika) auch bei der Behandlung von chronischen Schmerzzuständen nicht-
tumorbedingter Genese (= Ursache) wie z.B. schwere Schmerzen bei degenerativen Gelenk veränderungen wie auch Osteoporose, Deafferenzierungsschmerz und postzosterischer Schmerz, neurogene-neuropathische Schmerzen oder zentrale Schmerzen) gerechtfertigt (Portenoy et Foley 1986 und 1990, Sorge et al 1991, Zenz et al 1990).

Tabelle -1- WHO-Stufenschema für die Behandlung chronischer Schmerzen.

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In diesem Stufenschema ist auch die Möglichkeit einer adjuvanten (= Therapie mit Begleitmedikamenten) (Antiemetika (= Mittel gegen Übelkeit), Säureblocker, Laxanzien (= Abführmittel)) oder mit sogenannten Koanalgetika (Kortikosteroide, Antikonvulsiva (= Mittel gegen die Fallsucht, krampflösend), Myotonolytika (= Mittel zur Muskelentspannung), Psychopharmaka (= Mittel die auf die Psyche wirken)) berücksichtigt.
Erstere dienen der Vorbeugung oder Behandlung von unerwünschten Arzneimittelwirkungen, letztere werden in der medikamentösen Schmerztherapie ergänzend oder als alleinige Behandlungsstrategie eingesetzt.

Eine schmerzdistanzierende Medikation mit Antidepressiva (= Mittel gegen Depressionen) und / oder Neuroleptika (= Mittel gegen psychische Erkrankungen) ist regelmäßig in allen Stufen sinnvoll. Die affektiv (= die Gefühlsansprechbarkeit betreffende) distanzierende Wirkung führt zur Anhebung der Schmerz schwelle und entfaltet dadurch einen analgetischen (= schmerzstillenden), analgetikapotenzierenden (= Verstärkung des schmerzstillenden Effektes von gleichzeitig eingenommenen Analgetika) und analgetikasparenden Effekt. Darüber hinaus lassen sich sekundär entstandene depressive Neigungen (aber auch primäre, schmerzunabhängige) meist günstig beeinflussen. Durch parenterale Applikation (= nicht über Magen oder Darm zugeführte Verabreichung) (z.B. Infusionstherapie) wird ein rascherer Wirkungseintritt erzielt, eine Stimmungsaufhellung zeigt sich häufig schon nach wenigen Tagen.

Anal getika als Mischpräparate sollten wegen des erhöhten Risikos bei mißbräuchlicher Überdosierung (Abhängigkeit, allergische Reaktionen, Toxizität (= Giftigkeit) nicht gegeben werden. Primär sollte die Verwendung eines Monopräparats (= Arzneimittel mit nur einem Wirkstoff) angestrebt werden.

Kombinationen von Analgetika sind jedoch dann sinnvoll, wenn jeder Arzneistoff zur beabsichtigten analgetischen (= schmerzlindernden) Wirkung beiträgt oder die unerwünschten Wirkungen seines Kombinationspartners vermindert.

Mögliche Interaktionen (= Wechselwirkungen) sind bei den einzelnen Arzneistoffen unbedingt zu beachten. Die Einzelkomponenten müssen sich hinsichtlich Wirkungseintritt, Wirkungsdauer und Dosierungsintervall optimal ergänzen.

Als relativ unbedenklich ist eine Analgetika -Kombination von Paracetamol (z.B. ben-u-ron®) und Acetylsalicylsäure (z.B. Aspirin®) einzustufen, da keine wesentlichen Interaktionen zu befürchten sind und die Wirkungsdauer nahezu gleich ist (additive analgetische Wirkung). Als Analget ikum mit geringster sensibilisierender Potenz erlaubt der Zusatz von Paracetamol beispielsweise eine Einsparung des Acetylsalicylsäure-Anteils, der wiederum für eine Magenunverträglichkeit verantwortlich sein kann. Entsprechende Betrachtungen lassen sich natürlich auch für den anderen Kombinationspartner anstellen. Antiphlogistisch-antipyretisch (= entzündungs-/fieberhemmende) wirksame Analgetika (NSAIDs) sollten andererseits nicht miteinander kombiniert werden. Eine sinnvolle Kombination ist die Verordnung eines peripher angreifenden Analgetikums mit einem zentral wirkenden Opioid (z.B. Paracetamol mit Codein oder Tramadol). Die Kombination von schwachen mit starken Opioiden ist kontraindiziert (= gegenangezeigt).

Tabelle -2- Analgetika in der allgemeinen Schmerztherapie

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1) Nicht- opioide Analgetika

Nichtsaure antipyretische (= fiebersenkende) Analgetika:

Saure antiphlogistische (= entzündungshemmende) und antipyretische Analgetika (sog. nichtsteroidale Antirheumatika = NSAIDs ):

Nichtsteroidale Antirheumatika der neueren Generation, sog. COX-2 Inhibitoren, auch antiphlogistisch (= entzündungshemmend) wirkend, magenschonend:

Möglicherweise wird aber die ganze Gruppe wieder vom Markt genommen, da diese Analgetika, zumindest bei längerer Anwendung, das Herzinfakt- und Schlaganfallrisiko erhöhen.

Nicht -opioide Analgetika ohne antiphlogistischem und antipyretischem Effekt:

2) Schwache, opioidhaltige Analgetika

Opiumalkaloide:

Synthetische Opioide:

3) Starke, opioidhaltige Analget ika

Opiumalkaloide:

Semisynthetische Opioide:

--------* Hydromorphon HCL hat den Vorteil, daß die Wirkung einer einmaligen Dosis 24 Stunden anhält.

Synthetische Opioide:

Bei chronischen Schmerzen sollten Analgetika möglichst in retardierter Form (= mit verzögerter Wirkstofffreisetzung) und damit längerer Wirkzeit verabreicht werden.
Zur Vermeidung einer Abhängigkeit von potentiell suchterregenden
Analgetika (Gruppe 2 und 3) sollte (muß) die Einnahme nach festem Zeitschema entsprechend der Wirkzeit des verwendeten Sch merzmittels erfolgen.

Zur Bekämpfung unregelmäßiger und eher selten auftretender Durchbruchschmerzen (= Schmerzspitzen) kann zur Basismedikation (= Grundverordnung) bei Bedarf ein weiteres Schmerzm ittel gegeben werden.
Bei bereits auf retardiertes orales Morphin
(= morphiumhaltige Tabletten mit verzögerter Abgabe) eingestellten Patienten kommt dafür die schneller resorbierbare (= im Darm aufnehmbare) wäßrige Morphin-Lösung in Betracht, die von jedem Apotheker hergestellt werden kann.
Ist der Patient auf Buprenorphin mit dem Schmerzpflaster (Transtec®) eingestellt, so kann bei Schmerzspitzen zusätzlich die schnell resorbierbare
(= Aufnahme in den Körper) sublinguale (= unter der Zunge verabreichte) Form (z.B. Temgesic®) gegeben werden.
Wird die Basismedikation mit dem Schmerzpflaster Durogesic® (Fentanyl) durchgeführt, so können Schmerzspitzen mit ACTIQ® abgefangen werden, diese Fentanyl-Darreichungsform wird mit Hilfe eines speziellen Applikators über die Wangenschleimhaut inkorporiert
(= in den Körper/Organismus eingebracht).
Eine Kombination von Opioide
n soll wegen des Agonisten/Antagonisten-Problems (= teilweise gegenseitige Wirkungsaufhebung) unterbleiben.

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Aktualisiert: >19.02.2008</> kusB&
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