NEURALGIE / NEURALGIEN

Die (echte) Neuralgie ist gekennzeichnet durch attackenweise auftretende "helle" Schmerzen im Ausbreitungsgebiet eines sensiblen (= Wahrnehmung / Empfindung betreffend) oder gemischten (= Wahrnehmung / Empfindung sowie Muskelaktivität betreffend) Nervs, im eigentlichen Sinne ohne Sensibilitätsstörung und ohne nachweisbare Ursache (Neuralgia sui generis). Theoretisch könnte diese Schmerzform (echte Neuralgie) jeden Nerv betreffen. Die Praxis zeigt aber, daß nur wenige Nerven dieses Krankheitsbild entwickeln können.

Was passiert bei einer (echten) Neuralgie ?

Aus bisher ungeklärter Ursache, vermutlich aber durch Störungen im Metabolismus (= Stoffwechselvorgänge), ist die Nervenzelle nicht in der Lage, ein stabiles Membranpotential (= bioelektrische Aktivität an biologischen Strukturen mit abschließender, begrenzender oder trennender Funktion) von 60-90mV (= 60-90 tausendstel Volt) aufrechtzuerhalten, weshalb schon geringe taktile (= den Tastsinn betreffende) und thermische (= die Temperatur betreffende) Reize zu einer Depolarisation (= Verminderung oder Aufhebung der Spannung an der Trennschicht) und damit zu Schmerzen führen können. Die nachfolgende Repolarisation (= Wiederaufbau der Spannung an der Trennschicht) erfordert von der Zelle eine hohe energetische Leistung, die dem ohnehin geschwächten Metabolismus (= Stoffwechselvorgänge) zusätzlich abverlangt wird. Mit jeder De- und nachfolgenden Repolarisation erschöpfen sich zunehmend die energetischen Reserven und das Membranpotential sinkt weiter ab, wodurch die Anfälligkeit auf depolarisierende (= Verminderung oder Aufhebung der Spannung an der Trennschicht bewirkende) Reize weiter zunimmt; damit tritt ein Circulus vitiosus (= Teufelskreis) ein, der aber im Rahmen der speziellen Schmerztherapie mit Hilfe von wiederholten Nervenblockade n mit einem lang wirkenden, örtlichen Betäubungsmittel nachhaltig unterbrochen werden kann (die sog. therapeutische Lokalanästhesie). Nervenblockaden in größerem Abstand (z.B. 2 x /Woche) reichen aber nicht aus, sondern es muß eine engmaschige Blockadeserie durchgeführt werden, optimal 2x/Tag über 14-12 Tage, auch an Wochenenden, was aber nur im Rahmen einer stationären Schmerzbehandlung möglich ist.

Folgende Krankheitsbilder / Schmerzsyndrome erfüllen die Kriterien einer (echten) Neuralgie:

1)   Trigeminusneuralgie (Supraorbitalneuralgie, Infraorbitalneuralgie, Quintus-Neuralgie)

2)   Intermedius-Neuralgie (Genikulatumneuralgie, Hunt-Neuralgie)

3)   Glossopharyngeus-Neuralgie

4)   Laryngeus superior-Neuralgie

5)   Neuralgie des Ganglion pterygopalatinum (Sluder-Neuralgie)

6)   Nasoziliaris Neuralgie (Charlin Syndrom)

7)   Okzipitalneuralgie (Okzipitalisneuralgie)

8)   Spermatikusneuralgie (Samenstrangneuralgie)

9)   Pudendusneuralgie

10) Mortonneuralgie (Morton Metatarsalgie, Morton-Syndrom, Interdigitalneuralgie)

Weitere "Neu ralgien", bei denen aber trotz dieser Bezeichnung anfallsartige Schmerzsensationen nicht im Vordergrund stehen, sondern eher Dauerschmerzen oder länger anhaltende Schmerzepisoden:

11)  Ischiasneuralgie (Ischias, Ischiasneuralgie, Ischiadikusneuralgie)

12)  Interkostalneuralgie (Intercostalneuralgie)

13)  Bing-Horton-Neuralgie (Clusterkopfschmerzen, ziliare Neuralgie, Nervus petrosus-Neuralgie)

14)  Postzosterische Neuralgie (Post-Zoster-Neuralgie, Zoster-Neuralgie)

15)  Leistenneuralgie (Ilioinguinalis-Neuralgie)

Die einzelnen Krankheitsbilder:

1) Idiopathische Trigeminusneuralgie
Die Trigeminus-Neuralgie ist gekennzeichnet durch anfallsartige Schmerzattacken mit maximaler Stärke und überwiegend kurzer Dauer (Sekunden). Der Schmerz bereich deckt sich mit dem Ausbreitungsgebiet des betroffenen Nerven astes. Die Schmerzanfälle können auch durch physiologische, taktile (= den Tastsinn betreffend), thermische oder propriozeptive (= den Eigenreflex betreffende) Reize ausgelöst werden. Häufige Triggermechanismen (= Auslösemechanismen) sind Kauen, Sprechen oder bestimmte Gesicht s bewegung en, die Berührung bestimmter Hautareale, die Einwirkung von Wasser oder generell Kälteexposition. Meistens sind bei der Trigeminusneuralgie Triggerpunkte bzw. Triggerzonen (= Punkte, Zonen, die Schmerzen auslösen können) identifizierbar. 
In der Regel tritt die Schmerzattacke streng einseitig auf (5% beidseitig) und überwiegend im 2. und 3. Ast (ca. 4% 1. Ast) (Thoden 1987). Die Beschwerden treten oft periodisch auf, schmerzfreie Intervalle sind häufig. Manchmal gehen die Attacken der Trigeminus-Neuralgie auch in äußerst schmerzhafte längere Salven über. Bei stärksten Schmerzat
tacken treten Zuckungen der Gesicht s muskulatur hinzu (Tic doulour eux). 
Im Anfall ist die betroffene Gesicht
spartie meist leicht gerötet, bedingt durch den Schmerz kann Tränensekretion ausgelöst werden, was dann oft zur Verwechslung mit dem Cluster-Kopfschmerz führt, besonders wenn der 1. Ast betroffen ist. Im Unterschied zum Clusterkopfschmerz treten die Schmerzanfälle meist nur am Tage auf. 
Bei der körperlichen Untersuchung sind die zugehörigen Nervenaustrittspunkte oft druckschmerzhaft (bei ca. 60%). Das weibliche Geschlecht und Patienten jenseits des 40. Lebensjahres erkranken häufiger an einer Tr
igeminus-  Neuralgie. 
Diagnostik
: Ausführliche Schmerzanamnese
(= Vorgeschichte), neurologische Untersuchung, bei unklaren Befunden (z.B. neurologische Defizite) zusätzlich Röntgenaufnahme der Schädelbasis und CT, u.U. auch Kernspintomographie sowie Liquordiagnostik (= Untersuchung des Hirnwassers).

Medikamentöse Therapie der Tr igeminus- Neuralgie: Als erste Wahl gelten heute Gabapentin oder Pregabalin, als 2. Wahl Carbamazepin. Die Kombination mit Baclofen hilft Gabapentin bzw. Pregabalin oder Carbamazepin einzusparen. Gute Resultate sahen wir teilweise auch unter einer Therapie mit Lamotrigin.
In der Regel sind bei dieser Neuralgie peripher wirksame Analgetika
(= Schmerzmittel) ohne Nutzen, zentral wirksame allenfalls in hoher Dosierung. 
Bei stärksten Schmerzattacken mit statusähnlichem Charakter hat sich die Verabreichung von Phenytoin als Kurzinfusion bewährt.

Bewährt hat sich bei der Tr igeminus- Neuralgie auch die therapeutische Lokalanästhesie (= Behandlung mit einem örtlichen Betäubungsmittel bzw. Lokalanästhetika) (Le eser et Hefermann 1989). Dabei werden je nach individueller Wirkzeit 2-3 x täglich die betroffenen Gesicht s nerven bzw. Nerven äste an ihren Austrittspunkten (Foramen supraorbitale, infraorbitale oder mentale) mit ca. 1 ml Bupivacain 0,5% blockiert und die im Anfall dominanten Schmerzareale und Triggerzonen flächenhaft mit ca. 2-3 ml Bupivacain infiltriert. Eine Leitungsanästhesie der Nerven maxillaris und mandibularis kann auch durch die Incisura mandibulae (= Einkerbung des Unterkiefer s nahe am Kiefergelenk) hindurch mit jeweils ca. 2-3 ml Bupivacain (0,5%) erfolgen. Nächst höhere Therapiestufen sind dann Blockaden des Ganglion cervicale superius oder Ganglion stellatum (= Schaltstellen im unwillkürlichen Nervensystem im hinteren Rachen - bzw. seitlichen Halsbereich).
Unter dieser konsequenten, täglichen Therapie kann dann eine bestehende Carbamazepin- (bzw. Gabapentin oder Pregabalin-) Medikation langsam ausschleichend reduziert werden, ohne daß heftige Schmerzattacken auftreten.  
Neurochirurgische Interventionen sollten
nur dann zum Einsatz kommen, wenn medikamentöse Behandlungsversuche erfolglos bleiben. 
Nichtmedikamentöse Therapiemaßnahmen
haben sich bei dieser Neuralgie nicht oder nur ungenügend bewährt.

2) Intermedius-Neuralgie
Diese Gesichtsneuralgie ist gekennzeichnet durch streng einseitige, attackenförmig lanzierende Schmerzen im Bereich des äußeren Gehörgangs mit Ausstrahlung in die Tiefe des Ohr es, zum Gesicht, bis hin zum Gaumen dach und Oberkiefer. Häufig strahlen die Beschwerden auch nach hinten bis und führen zu Nackenschmerzen. Oft gesellt sich eine Hypersekretion der Speicheldrüsen (= vermehrte Speichelbildung) dazu. 
Neben der idiopathischen
(= eigenständige Erkrankung) gibt es auch eine symptomatische (= als Krankheitsfolge) Form bei Zosterinfektion des Gangl ion geniculi, wobei auch eine Fazialisparese (= Lähmung der Gesicht s muskeln) auftritt. 
Die Therapie der Wahl besteht bei der Intermediusneuralgie in der Verordnung von Antikonvulsiva
(= krampflösende Mittel) (Gabapentin oder Pregabalin als erste Wahl). Erfolgversprechend ist auch eine Serie von Blockaden des Ganglion stellatum - oder cervicale superius (= Betäubung einer vegetativen Schaltstelle im seitlichen Halsbereich bzw. hinter dem Rachen).
Bei der Hunt-Neuralgie handelt es sich ebenfalls um eine Neuralgie des Nervus intermedius, die aber im Zusammenhang mit einer Zoster-Infektion (= Gürtelrose) entstand.

3) Glossopharyngeus-Neuralgie
Diese Neuralgie ist gekennzeichnet durch streng einseitige paroxysmal (= anfallsartig) einschießende, heftige Schmerzsensationen, die vorwiegend im Bereich des Rachens, des weichen Gaumens und des Zungengrundes auftreten, manchmal auch mit Ausstrahlung zum Oh r hin oder in die Zähne
Eine weitere Ähnlichkeit mit der Tr
igeminus- Neuralgie besteht darin, daß oft Triggermechanismen (= schmerzauslösende Mechanismen) im Schmerzbereich vorliegen.
Die Diagnose einer Glossopharyngeusneuralgie ist einfach, wenn durch Spateldruck in der Tonsillenregion
(= Mandelregion) eine typische Schmerzattacke ausgelöst werden kann. Teilweise geben die Patienten an, daß auch durch Gähnen oder ausgedehnte Zunge nbewegungen ein Schmerzanfall ausgelöst werden können.
Synkopen
(= kurze Bewußtlosigkeit) und Herzstillstände sind beschrieben, dürften jedoch äußerst selten sein. Manchmal strahlen die Beschwerden zum Mastoid (= Knochen hinter dem Ohr) aus, was zur Verwechslung mit der Intermedius- Neuralgie führen kann. 
Wie bei der Tr
igeminus- Neuralgie kommen auch schmerzfreie Intervalle vor.

Therapeutisch gelten bei der Glossophar yngeus- Neuralgie als Mittel der ersten Wahl Gabapentin oder Pregabalin, als zweite Wahl Carbamazepin. Hilfreich, vor allem wenn die Attacken nicht so häufig auftreten, ist bei dieser Neuralgie auch eine Oberflächenanästhesie im hinteren Rachenbereich mit 2%igem Lidocain (= ein mittellang wirkendes örtliches Betäubungsmittel) in Sprayform. Mittels des langen und dünnen Auslaßröhrchens können die einzelnen Hübe ziemlich genau in den Triggerbereichen plaziert werden. Der Patient kann die Anwendung ohne weiteres vor dem Spiegel erlernen. Bei einer solchen Selbstmedikation muß wegen der Gefahr der Überdosierung die Anzahl der Einzelhübe und der möglichen Gesamthübe eines ganzen Tages vorgeschrieben werden. 
Bei diesen Gesichtsschmerzen kann auch eine wiederholte Infiltrationsanästhesie
(= Spritzen mit einem örtlichen Betäubungsmittel) mit Bupivacain 0,5% versucht werden. Der Einstich erfolgt am oberen Rand des vorderen Gaumen bogens, ca. 1-2cm neben der Mittellinie. 
Eine gute Therapiemöglichkeit bietet auch die Stellatumblockade oder Gangl
ion cervicale superius-Blockade (= Betäubung einer vegetativen Schaltstelle im seitlichen Hals- bzw. Rachen bereich).  
Vor neurolytischen
(= nervenzerstörenden) Blockaden ist wegen der Gefahr der Nekrosebildung (= örtlicher Gewebstod) und nachfolgender Infektion dringend zu warnen. Nach Janetta (1967) können die neuralgischen Beschwerden durch eine Kompression des Nerven durch die A. vertebralis (= Schlagader im Bereich der Wir belsäule) entstehen, wobei sich eine operative Dekompression (= Druckentlastung) anbietet.

4) Laryngeus-superior-Neuralgie
Diese Neuralgie ist gekennzeichnet durch heftige, attackenförmige Beschwerden, die in der Regel sekundenlang (bis zu 2 Min) anhalten. Die Beschwerden werden hauptsächlich im seitlichen Kehlkopfbereich verspürt, nicht selten aber dominieren die Ausstrahlungen zum Unterkiefer (Kiefer winkel) bis zum Ohr läppchen oder Gaumen und geben dann zur Verwechslung mit der Glossophar yngeus- Neuralgie Anlaß. 
Es bilden sich typische Triggermechanismen
(= Auslösemechanismen) wie Schlucken, Sprechen, Husten oder starkes Gähnen aus. Wie bei der Tr igeminus-  Neuralgie sind im Langzeitverlauf auch schmerzfreie Intervalle möglich. Die Beschwerden treten streng einseitig auf. 
Der Nerv entstammt dem N. vagus
(= ein sog. Hirnnerv). Er tritt seitlich durch die Membrana thyroidea hindurch, wo er einer Betäubung mit einem Lokalanästhetikum (= örtliche Betäubungsmittel) zugänglich ist. In hartnäckigen Fällen wird man sich zu Stellatumblockade n - oder Gangl ion cervicale superius-Blockaden (= Betäubungen einer vegetativen Schaltstelle im seitlichen Hals- bzw. Rachen bereich) entschließen
Ansonsten gelten medikamentös als Mittel der ersten Wahl ebenfalls Gabapentin oder Pregabalin (2. Wahl Carbamazepin).

5) Neuralgie des Gangl ion pter ygopalatinum (Sluder-Neuralgie)
Diese Gesichtsneuralgie ist charakterisiert durch länger andauernde Attacken (bis zu 20 min, selten länger) die sowohl am Tage als auch in der Nacht auftreten können. Betroffen ist einseitig die Orbita
(= Augenhöhle), der innere Augenwinkel und die Nase nwurzel, oft mit Ausstrahlungen zum Oberkiefer, Rachen und Ohr
Als charakteristisch gilt für diese Neuralgie ein anfallsartiger heftiger Niesreiz (Soyka 1989). Wie bei der Cluster-
Neuralgie tritt häufiger Tränen- und Nasenfluss auf. Oftmals läßt sich das Schmerzbild als Cluster-Kopfschmerz und Zervikalsyndrom auflösen, so daß die Sl uder- Neuralgie als eigenständiges Schmerzsyndrom umstritten ist (Thoden 1987).

6) Nasoziliarisneuralgie (Charlin Syndrom)
Der Nervus nasociliaris ist ein sensibler Ast des Nervus opht
halmicus, der mit seinem Endast (N. infratrochlearis) die Unterlidschleimhaut sensibel versorgt. 
Die einseitig auftretende Nasociliaris-Neuralgie ist gekennzeichnet durch unterschiedlich lang anhaltende Schmerzattacke
n im Bereich des inneren Augenwinkels mit regelmäßiger Ausstrahlung zur Orbita (= Augenhöhle) und zum Nase n rücken. Während des Schmerzanfall s kommt es oft zu einer Rötung und verstärkten Schweißsekretion im Bereich der schmerzseitigen Stirn hälfte.
Triggermechanismen
(= Auslösemechanismen) sind beschrieben. Am Auge können entzündliche Veränderungen vorhanden sein. 
Die Therapie der
Nasoziliarneuralgie orientiert sich an der des Cluster-Kopfschmerz es. Besonders zu empfehlen ist die intranasale (= in die Nase) Oberflächenanästhesie mit z.B. Lidocain-Spray 2% (= ein mittellang wirkendes örtliches Betäubungsmittel) . Hilfreich sind oft auch Infiltrationen im Gebiet des Gangl ion ciliare mit einem lang wirkenden Lokalanästhetikum oder Stellatumblockaden.

7) Okzipitalisneuralgie
Die primäre, idiopathische (= als eigenständige Erkrankung auftretende) Okzipital- Neuralgie ist selten. Es treten einseitig einschießende Kopfschmerzen im Versorgungsgebiet des Nervus occipitalis major auf (Hinterkopf bis Scheitelhöhe). 
Die Diagnose einer Occipitalneuralgie wird durch probatorische
(= zur Klärung der Diagnose durchgeführte) Nervenblockaden mit z.B. 1-3 ml Mepivacain (= mittellang wirkendes örtliches Betäubungsmittel) gesichert. 
Wie bei der Tr
igeminus- Neuralgie liegt häufiger eine atypische Form vor, gekennzeichnet durch meist einseitig auftretende Kopfschmerzen und längerfristigen Schmerzepisoden bis hin zu Dauerschmerzen
Medikamentös
können zur Behandlung die Antikonvulsiva Carbamazepin, Gabapentin oder Pregabalin (siehe oben / Tr
igeminus-Neuralgie) eingesetzt werden. 
Die Wirkung einer wiederholte Betäubung / Blockade des Nervs mit einem lang wirkenden örtlichen Betäubungsmittel ist oft erstaunlich positiv.

8) Spermatikusneuralgie (Neuralgie der Samenstrangs)
Diese Neuralgie ist gekennzeichnet durch kolikartige, zum Damm ausstrahlende Samenstrang
- und Hodenschmerzen. Nicht selten wird die Neuralgie durch eine Nervenschädigung des genitofemoralis ausgelöst. 
Zur Behandlung der Spermatikus-Neuralgie ist die kontinuierliche Blockade des Plexus lumbalis
(= Nervengeflecht im Lendenbereich) mit Katheter (= eingepflanzter dünner Kunststoffschlauch) hilfreich.

9) Pudendusneuralgie:
Die Pudendus-Neuralgie ist eine seltene Ursache für heftige, zum Teil einschießende Schmerzen im Geschlechtsbereich und der Damm
region. Sie wird durch mechanische oder entzündliche Schädigung des Nervus pudendus in der Beckenregion ausgelöst. Hierbei kann es zu Schmerzen im After, Enddarm, Damm, Ha rnröhre, Scheide, Kl itoris sowie Penis und Hodensack kommen. Der Schmerzcharakter wird meist als diffus, manchmal aber auch als stechend, brennend, einschießend, ziehend oder nadelstichartig beschrieben.

10) Mortonneuralgie
Bei der Morton-Neuralgie klagen die Patienten über vorwiegend brennende, i.d.R. anfallsartig auftretende Schmerzen im Bereich der vorderen Mittelfuß knochen mit Ausstrahlung in die Nachbar zehen. Druck auf die (mehr vordere) Fußsohle wirkt schmerz auslösend bzw. deutlich schmerz verstärkend. 

11) Neuralgie des N. ischiad icus
Eine echte Ischias-Neuralgie (Ischiasneuralgie), als eigenständiges Krankheitsbild, gekennzeichnet durch häufige, attackenförmige Schmerzen von wenigen Sekunden Dauer entlang des Nervenverlaufs (Rückseite Oberschenkel, hinterer und äußerer Unterschenkel, evtl. bis zur Groß zehe) ist selten. 
Diese Neuralgie kann erfolgreich mit wiederholten Ischias-Blockaden mit einem langwirkenden örtlichen Betäubungsmittel behandelt werden. In hartnäckigen Fällen kommt die kontinuierliche Blockade / Betäubung mit Katheter
(= eingepflanzter dünner Kunststoffschlauch) zur Anwendung.

12) Interkostalneuralgie
Es bestehen ziehende, gürtelförmige Zwischenrippenschmerzen entlang einem oder mehreren Zwischenrippenräumen mit typischen Druckpunkten paravertebral
(= neben der Wirbelsäule), in der Axillarlinie (= von der Achselhöhle abwärts) und paramedian vorn (= neben der Mittellinie vorne). Betroffen sind die sog. Zwischenrippennerven (Nn. in tercostales). Daß diese Schmerzen paroxysmal, also streng attackenförmig auftreten, wie es aufgrund des Begriffes "Neuralgie" anzunehmen wäre, kommt relativ selten vor, in sofern ist der Begriff "Interkostalneuralgie" nicht ganz zutreffend, besser wäre "Interkostalneuropathie".

13) Bing-Horton-Neuralgie
Haupt- und Leitsymptom (= hauptsächliches und richtungsweisendes Kran kheitszeichen) bei der Horton Neuralgie ist ein streng einseitig, in aller Regel periorbital (= um das Auge herum) oder frontotemporal (= Stirn -/ Schläfe nbereich) in Attacken und vorwiegend nachts auftretender Kopfschmerz von unerträglicher Intensität und einer durchschnittlichen Dauer bis zu wenigen Stunden. Überwiegend wird der Schmerzcharakter mit bohrend oder brennend angegeben. Typischerweise, jedoch nicht obligat (= zwingend), kommt es zu Tränenfluß und konjunktivaler Injektion (= Rötung des Auges), evtl. begleitet von Miosis (= Engstellung der Pupille) und Ptosis (partielles Hor ner-Synd rom) (= Verengung der Lidspalte) und Rhinorrhoe (= Nasenträufeln) als Begleitsymptome (= begleitende Krankheitszeichen).
Manchmal treten auch Übelkeit und Brechreiz auf, was zu Verwechslungen mit der Migräne führen kann.

14) Postzosterische Neuralgie
Als postzosterische Neuralgie (Zoster-Neuralgie) werden Nervenschmerzen bezeichnet, die nach dem Abheilen einer Gürtelrose (Herpes zoster) verbleiben. In der Regel liegen Dauerschmerzen vor, manchmal mit anfallsartigen Schmerzverstärkungen. Genaugenommen erfüllt diese Schmerzkrankheit nicht die Kriterien einer echten Neuralgie.

15) Leistenneuralgie
Mit dem Begriff "Leistenneuralgie" wird in der Regel ein (gewöhnlicher) Leistenschmerz bezeichnet, obwohl dieser nur in Ausnahmefällen streng anfallsartig, also im Sinne einer echten Neuralgie auftritt. Anfallsartige Leistenschmerzen strahlen nicht selten ins Genital (Hoden bzw. Schamlippe) und zur Innenseite des Oberschenkels aus.

Die Methoden der modernen Schmerztherapie bieten auch optimale Voraussetzungen für eine Anschlußheilbehandlung (AHB) bzw. Anschlußrehabilitation. Mehr darüber erfahren Sie hier: http://www.anschlussheilbehandlung.co.uk (einfach anklicken).

Wer zahlt eigentlich eine erforderliche, stationäre Rehabilitationsbehandlung?
(Originaltext der Bundesregierung): "Die Krankenversicherung finanziert Rehabilitationsleistungen, wenn diese erforderlich sind, um eine Kran
kheit zu erkennen, zu heilen, ihre Verschlimmerung zu verhüten oder Beschwerden zu lindern, sofern die Erwerbsfähigkeit nicht erheblich gefährdet oder gemindert ist. Sie ist auch zuständig, wenn es darum geht, einer drohenden Behinderung oder Pflegebedürftigkeit vorzubeugen".  
Hinzu kommt seit dem 1.4.2007, daß alle gesetzlich versicherte Personen einen Rechtsanspruch auf eine Rehabilitation haben und sich ihre Rehabilitationseinrichtung jetzt sogar selbst aussuchen können.
Die Rentenversicherungen sind demnach nur dann zuständig, wenn die "Behandlungen der Wiederherstellung der Arbeitsfähigkeit bzw. Wiedereingliederung ins Berufsleben dienen". Wenn also Ihre Rentenversicherung in diesem Sinne laut Bescheid keinen Handlungsbedarf sieht, dann ist offensichtlich Ihre Krankenkasse für die Kostenübernahme der stationären Rehabilitation zuständig. - Die Originaltexte finden Sie hier: http://www.die-gesundheitsreform.de/gesundheitssystem/themen_az/infoblaetter/rehabilitation/index.html?param=st

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